ChangeRider #32 – Prof. Dr. Markus Gabriel, deutscher Philosoph

13. August 2019

Folge #32 beim ChangeRider, meinem “Talk im Tesla” mit Gestaltern der Zukunft aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Auf dieser Fahrt begleitet mich Prof. Dr. Markus Gabriel. Er ist deutscher Philosoph, Professor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und hat den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und Gegenwart inne. Im ChangeRider thematisiert er unter anderem die Auswirkungen der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Fake News.

Prof. Dr. Markus Gabriel im ChangeRider: 

“Die beste KI verbessert den Menschen” 

Die Popkultur ist reich an Beispielen, wie Künstliche Intelligenz uns eines Tages nicht mehr nur als hilfreiche Software im täglichen Leben zur Seite steht. Oft werden Geschichten von Androiden erzählt, deren Überlegenheit uns in absehbarer Zeit zum Verhängnis werden könnte. 

Diese Zukunftsvisionen wie sie in Serien à la BLACK MIRROR oder Filmen wie I ROBOT zu sehen sind, beschäftigen uns und führen dazu, dass viele Menschen KI skeptisch gegenüber stehen. Hinzu kommen die immer rasanter fortschreitenden Entwicklungen der Hardware und Software wodurch sich die Frage stellt, ob diese Sci-Fi-Visionen eines Tages Wirklichkeit werden. 

Markus Gabriel, der unter anderem Gastprofessuren an der Universität Paris-Sorbonne und der Aarhus University vorzuweisen hat, erarbeitet zusammen auf Initiative des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, der Universität Bonn und der Fraunhofer Gesellschaft, ein Modell für eine KI-Zertifizierungsstelle. Ziel ist zum einen die Regulierung einer Künstlichen Intelligenz und zum anderen eine Ermittlung von dessen Wert für die Gesellschaft: “Wir überprüfen was eine KI mit den Benutzern macht und ob das ethisch vertretbar ist.” Wurden Manipulationsmechanismen in die Software einprogrammiert? Hilft uns die neue App, schneller einen geeigneten Parkplatz zu finden? Geplant ist – so der Philosoph – diese Fragen zu beantworten und geht sogar noch einen Schritt weiter mit einem Bewertungssystem: Eine KI, welche eine moralische Verbesserung des Menschen zum Ziel hat. Beispielsweise weniger aggressiv Auto zu fahren – würde nach seinem Bewertungssystem am höchsten bewertet werden.

Gabriel geht es nicht nur um eine effektive Bewertung und damit einhergehende wirksame Regulierung von KI-Systemen. Bei dieser ChangeRider-Folge erläutert er auch die Notwendigkeit von Durchsuchungs-Mechanismen auf Plattformen, welche eine Verbreitung von Fake-News verhindern sollen. Denn das Programmieren solcher Mechanismen ist möglich. Allerdings sieht der junge Philosoph ein gravierendes Problem. Die Akteure in der Medienlandschaft stehen in Konkurrenz zueinander. “Das ist ein medienethisches Problem”, so der Philosoph. Im Kampf um Aufmerksamkeit in den Medien, um Views und Klicks verbreiten vielen Akteure auch Fake News, mit drastischen Konsequenzen: “Dieses System muss verboten werden, so wie es jetzt ist, weil es ansonsten zu einem Ende des demokratischen Rechtsstaats führt.”

Gegen Ende der Fahrt verrät Markus Gabriel, dass er an seinem Vorhaben – Philosophie im “Elfenbeinturm” zu betreiben – komplett gescheitert ist. Gabriel musste akzeptieren, dass Philosophie stets auf Feedback von außen angewiesen ist. Darüber hinaus erklärt er anhand eines Beispiels aus Japan die Notwendigkeit von Philosophie ab der Grundschule.

Für eine weitere Fahrt im ChangeRider nominiert er die Rechtsphilosophin und Strafrechtlerin Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski von der Universität Köln: “Die hat richtig gute Ideen zu unserem Datenschutz.” Einer ihre Schwerpunkte, mit dem sich die junge Wissenschaftlerin beschäftigt, sind die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz für Recht und Moral. 


Ihr kennt weitere Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert einen ChangeRider-Mitfahrer unter: nomination@changerider.com. 

Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als ausführliches Gespräch im Podcast bei iTunes, Soundcloud und Spotify verfügbar.
Alle Informationen und Hintergründe findet ihr auf ChangeRider.com


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Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

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