Gisbert Rühl: „Digitale Plattformen werden zukünftig dominieren – auch im B2B-Bereich“

16. Oktober 2019

Im Interview mit Philipp Depiereux spricht Gisbert Rühl, CEO des Stahlhändlers Klöckner & Co, über die Bedeutung von Industrieplattformen, die Weiterbildung von Mitarbeitern und weitere Ergebnisse der etventure Studie 2019.

Lieber Gisbert Rühl, die aktuelle etventure Studie hat ergeben, dass erstmals seit 2016 die strategische Bedeutung der Digitalen Transformation in Bezug auf die drei wichtigsten Unternehmensziele sinkt. An welche Stelle gehört die Digitale Transformation aus deiner Sicht?

Die Digitale Transformation ist für Klöckner & Co unverändert das wichtigste Unternehmensziel. Schließlich geht es dabei um etwas Grundlegendes: Die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens langfristig zu sichern. Nur wer sich frühzeitig digitalisiert, zählt am Ende zu den Gewinnern. Davon sind wir fest überzeugt. Aus diesem Grund werden Unternehmen, die wegen eines wirtschaftlich schwierigeren Umfelds die Digitalisierungsoffensive drosseln, langfristig keinen Erfolg haben. Jetzt wird sich zeigen, wer es mit der Digitalisierung wirklich ernst meint.

Nur 21 Prozent sehen in Tech-Konzernen wie Google oder Amazon ihre stärkste Wettbewerbsbedrohung. Ist es nicht “fahrlässig”, wenn Unternehmen nur ihre direkten Wettbewerber als Gefahr wahrnehmen?

Ein Blick über den Tellerrand ist absolut notwendig – gerade in Zeiten der Digitalen Transformation. In der Stahlbranche beobachten wir, dass Amazon bereits kleinere Stahlprodukte verkauft. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in vielen anderen Branchen. Bei Klöckner & Co möchten wir diese neuen Geschäftsfelder nicht einfach anderen überlassen, sondern setzen alles daran, selbst Innovationen in diesem Feld voranzutreiben.

etventure Studie 2019 - Interview: Gisbert Rühl

Wie gelingt eine nachhaltige Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter für die Digitale Transformation?

Bei Klöckner & Co haben wir die Weiterbildungstage „Digi Days“ oder die „Digital Academy“ ins Leben gerufen, um unsere Mitarbeiter aktiv an der Digitalen Transformation teilhaben zu lassen. In der „Digital Academy“ bieten wir zum Beispiel umfangreiche Onlinekurse zu Digitalthemen, die die Mitarbeiter während der Arbeitszeit absolvieren können. So machen wir die Mitarbeiter fit für die Digitalisierung.

Welche sind bzw. waren die größten Hürden in deinem Unternehmen? Mit welchen Herausforderungen hattest du hauptsächlich zu kämpfen?

Bei einer Transformation dieser Größenordnung gibt es immer Hürden, die überwunden werden müssen. Doch Rückschläge können auch nützlich sein, damit etwas Neues entsteht. Gerade in traditionellen Industrien wie der Stahlbranche mussten wir das erst lernen. Bei Klöckner & Co beispielsweise haben viele unserer Mitarbeiter die Digitaleinheit kloeckner.i zunächst kritisch betrachtet. Um entgegenzusteuern, haben wir intern intensiv über das neue Social Network Yammer kommuniziert und dabei viel zugehört und erklärt. Außerdem haben wir das Austauschprogramm „Digital Experience“ eingeführt, bei dem Mitarbeiter aus verschiedenen Konzernbereichen für zwei bis drei Monate bei kloeckner.i Digitalprojekte vorantreiben – und nach ihrer Rückkehr als „Digitalbotschafter“ fungieren. Mit diesen Maßnahmen und dem positiven Kundenfeedback für unsere digitalen Tools hat sich die interne Akzeptanz für unsere Digitalisierungsstrategie schnell gesteigert. Heute sind unsere Mitarbeiter stolz darauf, für den digitalen Vorreiter in unserer Branche zu arbeiten.

Welche Rolle spielt der CEO / Geschäftsführer bei der digitalen Zukunft eines Unternehmens?

Der CEO muss im Digitalisierungsprozess als Speerspitze vorantreiben. Gerade in einem Traditionsunternehmen wie bei Klöckner & Co reicht es nicht aus, das Thema zwei Mal im Jahr im Vorwort des Mitarbeitermagazins zu erwähnen. Stattdessen muss der CEO für die Digitale Transformation im Unternehmen stehen, immer und überall. Gemeinsam mit dem Management und der Kommunikation baut er die Brücke zu den Mitarbeitern, um für Verständnis und Vertrauen zu werben. Wir durchbrechen hierarchische Kommunikationsmuster mit dem Social Network Yammer, in welchem die Mitarbeiter direkt mit dem Vorstand in Kontakt treten, Fragen stellen und Herausforderungen diskutieren.

 

Das vollständige Interview in der etventure Studie 2019 weiterlesen.

Gisbert Rühl spricht darüber hinaus über den eigenen Start von Klöckner in die Digitale Transformation, seine Reise ins Silicon Valley und über die digitale Zukunft der deutschen Wirtschaft.


Gisbert Rühl

Klöckner ist einer der weltweit größten, produzenten-unabhängigen Stahl- und Metalldistributoren und eines der führenden Stahl-Service-Center-Unternehmen. Sein CEO Gisbert Rühl gilt als innovativer Vordenker der Branche. Ihm ist es zu verdanken, dass Klöckner heute bereits jährlich ca. 2 Milliarden € Umsatz über digitale Kanäle erwirtschaftet.


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Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

Co-Autor

Christian van Alphen leitet die Kommunikation bei etventure. Darüber hinaus ist er Co-Initiator des ChangeRider: Ein Video- und Podcastformat mit der Mission, die positiven Geschichten rund um den digitalen Wandel zu erzählen und damit Mut für die Zukunft zu machen.

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