„Nicht immer über Hemmnisse reden, sondern einfach mal machen“

02. Mai 2017

Effektvoll, nämlich mit einem selbstfahrenden Auto, kam Ministerin Ilse Aigner, auf die Bühne der BMW Welt, um den großen Bayern Digital Kongress 2017 in München zu eröffnen. Neben der Bayerischen Wirtschaftsministerin waren zahlreiche hochkarätige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit von der Partie. Darunter auch Philipp Depiereux, etventure Gründer und Geschäftsführer, der als Panel-Teilnehmer über Digitalisierung im deutschen Mittelstand unter anderem mit Staatssekretär Franz Josef Pschierer diskutierte. Fazit: In Sachen Digitalisierung ist Bayern auf einem sehr guten Weg. Doch man wäre schon weiter, wenn man sich mehr auf die Chancen des digitalen Wandels konzentrieren würde, statt nur die Hemmnisse zu sehen.

Bald schon Realität: Selbstfahrende Autos in München

Bayern Digital Kongress 2017Vor vollbesetztem Auditorium und damit rund 1.000 Gästen wurde in der BMW-Welt das Thema Digitalisierung von allen Seiten beleuchtet. So berichtete BMW-Chef und Gastgeber Harald Krüger über die Innovationsoffensive beim bayerischen Autobauer. Noch in diesem Jahr würden in München die ersten selbstfahrenden Autos fahren, so die Ankündigung von Krüger. Zunächst noch mit einem Fahrer, der zur Not eingreifen könne. Und mit einem Kofferraum voller Elektronik. Vor dem Hintergrund, dass Google-Autos schon 3,8 Millionen Test-Kilometer autonom zurückgelegt haben, wird aber deutlich, dass der Premium-Autobauer mehr als nur einen Schritt hinterher hinkt.

Es folgten Panels zur Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und Diskussionsrunden zur Bedeutung von Forschung und Gründergeist für die Digitalisierung in Bayern, unter anderem mit Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, Prof. Dr. Manfred Broy vom Zentrum Digitalisierung.Bayern und Vodafone-CEO Hannes Ametsrieder. Der erklärte: „Wer heute nicht programmieren kann, ist morgen Analphabet“, und machte damit deutlich, dass auch das deutsche Bildungssystem von einer digitalen Zukunft noch weit entfernt ist.

Wo drückt der Schuh bei der Digitalisierung?

Bayern Digital

Was bei den verschiedenen Diskussionen auffiel: Meist ging es um die Hemmnisse bei der Digitalisierung. So wurde beispielsweise angemerkt, dass auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu wenig Programmierer zur Verfügung stünden. Aber, so Philipp Depiereux: „Selbst wenn jedes der Unternehmen hier plötzlich 100 Programmierer mehr hätte, würde trotzdem nicht mehr relevantes Digitalgeschäft geschaffen werden. Denn häufig scheitert die Digitalisierung schon in den Anfängen – nämlich bei der Frage, wie man die Transformation überhaupt startet und wo man ansetzt. Das Programmieren selbst ist da meist erst der vierte oder fünfte Schritt.“

Gleiches gelte für die häufig geäußerte Kritik an der Netzinfrastruktur oder dem Hemmnis Datenschutz. Die ist zwar durchaus berechtigt, vielen Unternehmen dient sie aber als willkommene Ausrede, um tatsächlich aktiv zu werden. „Viele Digitalvorhaben kann man auch ohne High-Speed-Netz starten“, so Depiereux. Der erster Schritt ist es aber, den Kunden zu verstehen, anschließend Ideen zu entwickeln, diese mit kleinen Prototypen zu testen und erst dann – zum Schluss – eine Übermittlungslösung zu suchen, welche vom lokalen Netz unabhängig ist. „Unternehmen sollten nicht immer über Hemmnisse reden, sondern einfach mal machen.“

Abgesehen davon könnten übergreifende Themen wie Breitbandausbau oder Datenschutz deutlich zielgerichteter angegangen werden, wenn diese durch ein zentrales Digitalministerium gesteuert würden – statt von den verschiedenen Ministerien in ganz unterschiedlichem Maß bearbeitet zu werden. Das hat jüngst auch Verkehrsminister Dobrindt vorgeschlagen. Eine Lösung, von der Staatssekretär Pschierer wenig hält, denn nur die Ministerien könnten aufgrund ihrer Fachkompetenz das Thema treiben, so dessen Aussage beim Bayern Digital Kongress. Doch das erschwert Abstimmungsprozesse und führt zu Kompetenzkonflikten – und verzögert den ohnehin schon schleppenden Digitalausbau in Deutschland nur noch weiter. Stattdessen sollte sich nach Meinung von Philipp Depiereux auch die Politik den „geschützten Raum“ einer Digital-Einheit zunutze machen und unabhängig von bestehenden Strukturen das Thema in einem neu geschaffenen Ministerium angehen.

Es gibt genug Anlass zu Optimismus

Nichtsdestotrotz braucht sich Bayern in Sachen Digitalisierung nicht zu verstecken. Das beweisen zahlreiche erfolgreiche Startups und innovative Technologien, beispielsweise IoT- und Robotik-Lösungen, die in der begleitenden Ausstellung des Bayern Digital Kongress 2017 präsentiert wurden. Es besteht also genug Anlass zu Optimismus. Jetzt müssen die Unternehmen nur noch machen. Was vom Bayern Digital Kongress bleibt, ist eine spannende Veranstaltung mit kontroversen Diskussionen und toller Moderation. Eine Veranstaltung, die aber – wie so oft bei vergleichbaren Events – zu sehr an der Oberfläche verhaften bleibt. Schließlich erübrigt es sich mittlerweile, über die Relevanz der Digitalisierung zu diskutieren. Zentral sollte das „Wie?“ bei der digitalen Transformation sein, der konkrete Weg von der Idee zur Umsetzung – denn genau damit tun sich die Unternehmen schwer.

Bildquellen: Bayern Innovativ GmbH

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