„Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung anderen“ – Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von etventure auf der Bits & Pretzels

30. September 2015

Ein Fokusthema auf der diesjährigen Bits & Pretzels (27. – 29. September 2015) war auch die Digitalisierung des Mittelstands. Ein IHK-Panel „Mittelstand digital“ beim Gründerfestival Bits & Pretzels bot etablierten Unternehmern vielfältige Einblicke und Kontakte in die digitale Welt. Klare Worte sprach nicht nur die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, auch in den Vorträgen wurde die Bedeutung der Digitalisierung für die gesamte Wirtschaft betont. „Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung anderen“, warnte Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer in seinem Vortrag. 

Das Gründerfestival „Bits & Pretzels“ ist eines der größten Gründerevents in Europa.  Drei Tage lang tauschten sich deutsche und internationale Gründer, Investoren und Politiker in München aus. Mit dabei waren prominente Namen wie Runtastic-Chef Florian Gschwandtner, GoButler-Investor Joko Winterscheidt oder Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg. Aber auch internationale Größen wie Evernote-Mitgründer Phil Libin oder Zendesk-Chef Mikkel Svane teilen ihre Einblicke und Learnings vor rund 3.500 Besuchern.

 Ilse Aigner, Wirtschaftsministerin Bayerns: "Digitalisierung wird im Mittelstand oftmals sehr verkürzt diskutiert."

Ilse Aigner, Wirtschaftsministerin Bayerns: „Digitalisierung wird im Mittelstand oftmals sehr verkürzt diskutiert.“

Das IHK-Panel „Mittelstand Digital“ widmete sich am Montag (28. September 2015) dem Thema Digitalisierung im Mittelstand und ging der Frage nach „Was bedeutet Digitalisierung für mein mittelständisches Unternehmen?“. Jedenfalls nicht, einen verbesserten Internet-Breitband-Ausbau, wie die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betont. Sie eröffnete das Panel und stellt fest, die Digitalisierung wird oftmals sehr verkürzt diskutiert. Immer wieder würde ihr gerade vom Mittelstand die Frage gestellt werden, wie ist die Breitbandversorgung. Die sei zwar wichtig, aber die Herausforderung sei es, zu verstehen, welche Geschäftsmodelle, auch disputiver Art, durch die Digitalisierung möglich sind. Ihr Appell, insbesondere an den Mittelstand ist es daher, die Entwicklungen nicht abzuwarten, sondern zu überlegen, was heißt das konkret für meinen Betrieb. Ihre Wunschvorstellung ist es, wenn etablierte Unternehmen und Startups ihre Stärken verknüpfen und diese Geschäftsmodelle in Zusammenarbeit in die neue Welt übertragen.

Bayern wolle Digitalisierungsland Nr.1 werden, „wir investieren 2 Milliarden Euro in den nächsten 4 Jahren – das soll uns erst einmal jemand nachmachen.“

Die vollständige Rede von Frau Aigner auf der Bits & Pretzels

Auf die Dringlichkeit hat daran anknüpfend auch Philipp Depiereux, Gründer & Geschäftsführer von etventure in seinem Vortrag „Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung anderen hingewiesen“. Die Digitalisierung erfasst alle Branchen, einzig die Pommesbude bleibe vielleicht noch offline.

Alle Unternehmen müssen sich dabei im Klaren sein, die Wettbewerber kommen im Rahmen der Digitalisierung selten aus der eigenen Branche. Die Player und Unternehmen, die in aller Regel das eigene Geschäftsmodelle disruptiv angreifen, sind die etablierten Digital-Player, wie Google, Amazon oder Apple, aber auch innovative Startups.

Philipp Depiereux. Gründer & Geschäftsführer: „Die Digitalisierung erfasst alle Branchen, einzig die Pommesbude bleibt noch offline."

Philipp Depiereux. Gründer & Geschäftsführer: „Die Digitalisierung erfasst alle Branchen, einzig die Pommesbude bleibt noch offline.“

Wie ist das Vorgehen: Das wichtigste bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ist der Nutzer. „Schauen Sie nur auf den Nutzer! Schauen Sie nicht auf Ihre eigene Produktwelt, nicht auf Ihre IT, schauen sie auch gar nicht auf Ihre IT-Infrastruktur.“ Nur auf Basis von Befragungen und Nutzertests, auf Basis von gesammelten Daten, sollten Entscheidungen abgeleitet und die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen vorangetrieben werden. Philipp Depiereux empfiehlt dabei ganz klar, die ersten Entwicklungsschritte außerhalb des Unternehmens, „außerhalb – Achtung, böses Wort – Bewahrer-Organisation“ durchzuführen. Innovationsprojekte können intern, aufgrund Regulation und gewachsener Unternehmensstruktur und Guidlines, nicht gelingen. Erst erfolgreich validierte Projekte, wir nennen sie ‚Leuchtturmprojekte‘, werden zurück in die Organisation geführt. „Was wir brauchen sind Produkte mit einem klaren Nutzerversprechen, die schnell entwickelt werden können und die am Markt schnell verkauft werden können“, so Philipp Depiereux.

Als Abschlussplädoyer hält Philipp Depiereux fest: „Wie kann ein Digitalprozess im Unternehmen funktionieren? Ich glaube fest daran und die Erfahrung haben wir auch gemacht, wenn man versucht, es im Unternehmen umzusetzen, nicht im geschützten Raum, nicht mit dem CEO an seiner Seite und nicht mit entsprechenden Personal, dann wird es nicht funktionieren!“

Der vollständige Beitrag von Philipp Depiereux auf der Bits & Pretzels

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