ChangeRider #25 – Warum Du das ‘Spiel’ Business nicht gewinnen kannst

07. Mai 2019

Folge #25 beim ChangeRider, meinem „Talk im Tesla“ mit Gestaltern der Zukunft aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In der vergangenen Folge habe ich meinen Tesla vor dem Hotel Adlon in Berlin geparkt und war zu Gast auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel. An drei Tagen habe ich mich im ChangeRider mit 23 spannenden Persönlichkeiten über die Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels ausgetauscht. Mit an Bord waren in dieser Folge: Jan Heitmann, professioneller Pokerspieler, Marika Lulay, CEO von GFT Technologies, Fabian Kienbaum, ‘Chief Empowerment Officer’ bei Kienbaum, Lisa Gradow, Co-Founder von Usercentrics, Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank, Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein und Christian Kobler, Gründungspartner und CFO der Forma Futura Invest AG.

“Du kannst das Spiel ‘Poker’ nicht gewinnen. Du kannst auch das Spiel ‘Business’ nicht gewinnen.”

Dieses Mal mit von der Partie: Jan Heitmann, professioneller Pokerspieler – 20 Jahre lang hat er damit sein Geld verdient. Er kommt eigentlich aus einer Unternehmerfamilie und hat BWL an der Elite-Wirtschaftshochschule WHU studiert. Seine Freunde sind alle Investmentbanker oder Unternehmensberater geworden, für ihn “war das aber nichts”. Stattdessen reiste er nach seinem Diplom durch Europa und versuchte sich diese Reise möglichst lange durch Pokerspielen zu finanzieren: “Der Plan war, wenn ich pleite gehe, dann komm ich nach Hause und such’ mir ‘nen Job. Und der Plan ist halt komplett schief gegangen. Es ist jetzt 15 Jahre später und die Reise dauert noch an.” Heute ist Heitmann nicht nur TV-Kommentator bei Sport1 und Sportvorstand des Deutschen Poker Sportbunds: Als Keynote Speaker überträgt er Pokerkonzepte auch auf unternehmerische Entscheidungen, zieht Parallelen zwischen Poker und Business. 

Ein wichtiger Aspekt sei hierbei die Denkphilosophie, das richtige Mindset: “Pokerspielern sind Resultate egal. Es geht nicht ums Gewinnen. Gewinnen heißt nämlich, dass du am Dienstagabend unzufrieden bist, wenn du mit minus nach Hause gehst, und zufrieden bist, wenn du mit plus nach Hause gehst. Das, was einen Pokerspieler aber ausschließlich interessiert, sind die Entscheidungen, die er getroffen hat.” Die kurzfristigen Resultate würden stark durch den Zufall, also die Karten, beeinflusst werden. Es sei also wie im echten Leben: “Gerade im Startup-Bereich: Du kannst einfach drei Monate auf etwas hinarbeiten. Und jetzt passiert irgendwas in der Weltgeschichte, irgendwas, auf das du überhaupt keinen Einfluss hast, und dann hast du einfach ein schlechtes Resultat dabei rausbekommen.” Dabei sei jedoch eines zu berücksichtigen: So gibt es nach der Spieltheorie zwei unterschiedliche Arten von Spielen, endliche und unendliche Spiele: “Endliche Spiele sind zum Beispiel Sport. Fußball ist nach 90 Minuten vorbei, dann gibt es einen Gewinner und einen Verlierer, manchmal unentschieden. Und unendliche Spiele haben wechselnde Gegner, das heißt Spieler verlassen das Spiel und neue kommen hinzu, die Regeln ändern sich über die Zeit und es gibt keinen Endzeitpunkt.” Poker und Business seien beides unendliche Spiele. “Und jetzt kann beim unendlichen Spiel das Ziel nicht sein zu gewinnen. Weil es gibt ja keinen Endzeitpunkt, wo zusammengerechnet wird. Wir suchen uns die immer arbiträr.” Bei einem Pokerprofi sei der Gewinn oder Verlust an einem Abend im Casino genauso wenig als Endziel zu betrachten, wie die Quartalszahlen bei einem Unternehmen: “Das Spiel geht ja weiter. Und Quartalszahlen sind eigentlich nur Steuerungselemente, aber das sind ja keine Endziele. Die werden aber von den schlechten Unternehmen häufig so behandelt.

Im weiteren Gespräch äußert Lulay außerdem ihre Meinung zum Thema Diversity und der Frauenquote. Der Banker Karl Matthäus Schmidt gibt interessante Einblicke über die digitale Zukunft der Bankenbranche und ‘Chief Empowerment Officer’ Fabian Kienbaum deckt Optimierungspotenziale beim Thema Bildung und Digitalisierung auf. Darüber hinaus diskutieren Lisa Gradow, Mitbegründerin von Usercentrics, und Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, das Thema Datenschutz und DSGVO. Christian Kobler, Gründungspartner und CFO der Forma Futura Invest AG, erzählt außerdem, warum das Thema Nachhaltigkeit in Zeiten des Digitalen Wandels so wichtig ist.


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Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als ausführliches Gespräch im Podcast bei iTunes, Soundcloud und Spotify verfügbar.
Alle Informationen und Hintergründe findet ihr auf ChangeRider.com


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Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

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