Ist die neue Startup-Politik in Baden-Württemberg ein „dramatischer strategischer Fehler“? – Ein offener Brief an den Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Lieber Bundesverband Deutsche Startups e.V.,

lieber Florian Nöll,

ist die neue Startup-Politik in Baden-Württemberg ein „dramatischer strategischer Fehler“? Aus Ihrer auf „t3n“ veröffentlichten Kolumne ist das offen gesagt nicht nachvollziehbar. Im Gegenteil – aus unserer Sicht wird hier bereits im Vorfeld ein „Bashing“ betrieben, das weder konstruktiv, respektvoll noch förderlich ist für die Weiterentwicklung des Startup-Ökosystems in Baden-Württemberg (BW).

Das Ziel der neuen Landesregierung, BW zum dynamischsten Gründerland in Europa zu machen, ist ohne Frage ambitioniert. Aber schließlich geht es hier auch um die Formulierung einer Vision und um das Stecken von Zielen. Wer tritt schon an, um die Nummer zwei zu sein. Daher begrüßen wir zunächst einmal absolut die neuen Pläne zur Förderung der Startup-Landschaft in BW. Ob die Maßnahmen bereits ausreichend sind, darüber lässt sich selbstverständlich diskutieren. Aber ist es auch immer die Politik, die es richten muss? Man wird die Politik schwerlich dafür verantwortlich machen können, dass zu wenig Venture Capital zur Verfügung steht und die Alternative kann auch nicht sein, dass dies mit Landesmitteln und damit mit Steuergeldern kompensiert wird. Wir sollten damit aufhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen – und die undifferenzierte Kritik an einzelnen Personen noch vor deren Amtsantritt ist wirklich schlechter Stil. Wir müssen uns dringend unserer eigenen unternehmerischen Verantwortung, auch gerade mit Blick auf die Digitalisierung, bewusst werden.

Worum geht es: Um die gesteckten Ziele zu erreichen – und wir brauchen weitere Top-Gründerzentren in Deutschland und Europa – müssen wir ein entsprechend gründer- und wirtschaftsfreundliches Ökosystem schaffen, in dem die Vernetzung und Kooperation von Wirtschaftsunternehmen und Startups ein essentieller Bestandteil ist. Dafür gibt es in Baden-Württemberg wie in kaum einem anderen Bundesland ein gewachsenes Netzwerk an Konzernen, Mittelständlern und Weltmarktführern. Für Startups geht es in diesem Zusammenhang um Marktzugang, finanzielle Förderung, für die etablierten Unternehmen um Zugang zu Innovationsmethodiken, Technologien und auch Zugang zu einer neuen Form der Unternehmenskultur und damit um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.

Die zukünftige Landesregierung hat vieles bereits richtig erkannt und vieles ist auch zunächst nur generisch im Koalitionsvertrag festgehalten. Für die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen und die Umsetzung müssen alle Seiten zusammenarbeiten. Um Baden-Württemberg zum dynamischsten Gründerland Europas zu machen, ist die Politik ebenso gefragt, wie Wirtschaft, Lehre und Forschung oder Interessenvertretungen und Verbände. Daher möchten wir von Accelerate Stuttgart und etventure zu einem Dialog einladen, mit Politik, mit dem Bundesverband Deutsche Startups und mit Wirtschaftsvertretern aus Baden-Württemberg, damit wir gemeinsam alle Kräfte bündeln und ausloten, wie wir die Ziele für BW hinsichtlich Gründerland und Digitalen Wandel erreichen.

Philipp Depiereux, Gründer & Geschäftsführer etventure

Johannes Ellenberg, Gründer & Geschäftsführer Accelerate Stuttgart

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Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

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