Plattform-Ökonomie: Mit dem richtigen Canvas erfolgreich starten

Ob Amazon, Airbnb oder der App Store – Plattformen sind in unserem täglichen Leben und auch für unsere Kunden zu einer Selbstverständlichkeit geworden: Mehr als 50 Prozent aller digitalen Geschäftsmodelle sind zweiseitige Plattformen. Unsere Platform Economics Gilde zeigt, wie man mit dem Platform Innovation Kit Plattformen Schritt für Schritt erfolgreich aufbaut und was dabei zu beachten ist.


Business Model Canvas: Ideal für lineare Geschäftsmodelle

Das Business Model Canvas ist ein großartiges Tool, um von (fast) null zu starten, eine Geschäftsidee zu skizzieren und Stück für Stück zu verfeinern. Vor allem Startups nutzen den Ansatz, um schnell herausfinden, ob ihr Geschäftsmodell unternehmerisch sinnvoll ist.

Klassische lineare Geschäftsmodelle, welche beispielsweise den Produktionsprozess eines Herstellers bis zum Verkauf abdecken, bündeln sich in einer zentralen Sicht auf die nötigen Treiber für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. So sind beispielsweise Kernaktivitäten, nötige Lieferantenbeziehungen und Ressourcen aus Sicht eines Unternehmens definiert und darauf ausgerichtet, Werte vornehmlich für den Kunden zu erzeugen. Das Business Model Canvas zielt auf diese Geschäftsmodelle ab und hilft, die richtigen Fragen zu stellen und Erkenntnisse zusammenzutragen.

Wann das Business Model Canvas an Grenzen stößt

Mit Canvas Modellen lassen sich komplexe Problemstellungen einfacher und schneller darstellen – ein großer Vorteil, wenn es darum geht, agil und schlank in einen Ideen-Prozess zu starten. Gleichzeitig wird die Realität aber nur bedingt abgebildet. Gerade die Plattform-Ökonomie fordert jedoch durch ihre mehrschichtigen Strukturen neue Modelle, die der gewachsenen Komplexität standhalten müssen.

Um eine Plattform erfolgreich zu etablieren oder auch nur initial mit Leben zu füllen, bedarf es deshalb einer mehrdimensionalen Sichtweise auf die Wertschöpfung und den Mehrwert für die jeweils beteiligten Akteure. Denn eine Plattform lebt von einer attraktiven Ausgestaltung für alle vertretenen Teilnehmer – auf ihr sollen sich Produzenten und Konsumenten regelmäßig austauschen. So gilt es nicht nur die Interessen des Plattformbetreibers zu bedenken, sondern neben denen des Kunden auch die der Produzenten bzw. Leistungsanbieter und vertretenen Partner, die zur Wertschöpfung beitragen.

Lineares_Plattform_Geschäftsmodell

Quelle: http://www.platforminnovationkit.com/

Das Platform Innovation Kit in der Praxis

Das aus fünf – in der Erweiterung bis zu acht – Canvas bestehende Plattform-Kit wurde eigens für den Einsatz mit Plattformen konzipiert. Es liefert einen strukturierten Zugang für die Erarbeitung einer erfolgreichen Plattform. Die ersten drei Canvas legen dabei die strategische Grundlage für das Plattformdesign.

  • Scan der Unternehmensumwelt

Ziel ist es, den Ist-Zustand anhand von Branchen- und weiteren Trends, Innovationen und (aufstrebenden) Marktkräften zu analysieren. Zu diesem Zeitpunkt unterscheidet sich die Analyse noch nicht vom Pendant, welches auch für lineare Geschäftsmodelle genutzt werden kann.

  • Idea Canvas

Das Idea Canvas dient der Erarbeitung von Ideen für mehrseitige Geschäftsmodelle. Die Eigenschaften der Konsumenten, Produzenten und Partner werden dokumentiert. Darüber hinaus wird skizziert, wie Umsätze erzielt und Werte verteilt werden sollen.

  • Value Proposition Canvas

Dieser Schritt ist zentral für die Erarbeitung einer Plattform und deren Strategie und kann auch als Startpunkt genutzt werden, wenn bereits Ideen für eine Plattform bestehen. Je Quadrant werden die Akteure analysiert – ihre Eigenschaften, das zugrunde liegende Wertversprechen sowie ihre Berührungspunkte mit der Plattform und deren weiteren Teilnehmern. Um spätere Probleme und Ungenauigkeiten bei der Adressierung der Nutzer und Produzenten zu vermeiden, sollten die Zielgruppen durch die Verwendung von Personas geschärft werden.

Im Ergebnis liefert ein ausgefülltes Value Proposition Canvas eine detaillierte Übersicht der Akteure, ihrer Bedürfnisse und ihres Zusammenspiels. Die Basis bilden dabei immer die Werte, die von Seiten der Plattform, aber auch von den Teilnehmern untereinander bereitgestellt werden müssen. Antworten auf Kernfragen für das Plattform-Design wie “Wie vernetze ich meine Teilnehmer”, “Welche Werte müssen welcher Gruppe geliefert werden”, “Welche Vorteile werden dem Plattformbetreiber zuteil” und “Welche Transaktionen finden statt” werden übersichtlich dargestellt.

Den größten Wert liefert, neben der Darstellung der Informationen im Ganzen, die Beantwortung der Frage “Was für eine Plattform sind wir”. Diese wird durch den “Core Value” und die Mission ausgedrückt und erzeugt ein gemeinsames Verständnis über den Charakter der Plattform. Diese Definition stellt einen Ankerpunkt dar, der für die weitere Iteration und den Aufbau der Plattform durch das Team notwendig ist.

Plattform Canvas etventure

Quelle: http://www.platforminnovationkit.com/

Tipps für die Anwendung

In der praktischen Anwendung wird für die Arbeit mit dem Plattform Kit einige Vorarbeit benötigt, um einen flüssigen Ablauf zu ermöglichen. Für die zentrale Value Proposition Canvas sind vorbereitete Personas auf Basis echter Nutzerdaten (z.B. durch qualitative und offene Interviews) und erste zu testende Hypothesen von großer Hilfe. Zusätzlich bietet sich ein “Dry Run” mit einer am Markt etablierten Plattform an. Dieser liefert eine sehr gute Perspektive auf die nötigen Werte, die eine erfolgreiche Plattform für seine Teilnehmer bereitstellen muss.

Für das weitere Vorgehen der Ideenvalidierung bietet sich ein schlanker und agiler Ansatz auf Basis von Lean Startup an. So können Modelle schnell und kostengünstig getestet werden. 

Weitere Informationen, Hintergründe und Handlungsempfehlungen erhalten Sie in unserem nächsten Beitrag.


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Autor

Konrad Schwarz ist Product Manager bei etventure und Mitglied der Platform Economics Gilde. Die Gilde vermittelt anwendungsbezogenes Plattformwissen und unterstützt in Kundenprojekten beim Aufbau erfolgreicher B2C & B2B Plattformen.

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