Deutschlandstudie: Deutschen Chefetagen fehlt der Mut zu radikalen Entscheidungen bei der Digitalisierung

02. März 2016

Welchen Stellenwert hat die Digitale Transformation für deutsche Unternehmen und wie wird die Digitalisierung umgesetzt? Diese Fragen hat die etventure Studie mit Unterstützung der GfK Nürnberg im Rahmen der Deutschlandstudie „Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Startups in Großunternehmen“ untersucht. Das Ergebnis: Die Bedeutung der Digitalisierung wird in vielen Unternehmen noch immer nicht voll erkannt. Mit Management- und Umsetzungsfehlern legen sich die Firmen oftmals selbst Steine in den Weg.

Die Digitalisierung wird unterschätzt

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Grundsätzlich gibt jedes vierte Unternehmen an, dass der Stellenwert der Digitalisierung im letzten Jahr „deutlich gestiegen“ ist. Doch nur für 6 Prozent der befragten Unternehmen hat die Digitale Transformation oberste Priorität und für lediglich 35 Prozent gehört sie zu den Top-3-Themen. Daran zeigt sich, dass die Tragweite der Veränderungen, die die digitale Revolution mit sich bringt, offensichtlich immer noch unterschätzt wird und eher ’nebenbei‘ gemanagt wird. Ein klares Indiz dafür, wie das Digitalisierungsvorhaben im Unternehmen positioniert ist, stellt immer auch der finanzielle Aufwand dar, den Unternehmen dafür leisten. Auch hier sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache: Gerade einmal 14 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie andere Investitionen für die Digitalisierung zurückstellen mussten.

Fehlende Zugpferde und interne Grabenkämpfe

Auch bei der Umsetzung der Digitalen Transformation tun sich deutsche Unternehmen häufig schwer. Ein zentraler Grund: Oftmals fehlt eine klare und konsequente Führung bei der Digitalisierung. Denn in nicht einmal der Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) wird die Digitale Transformation vom Vorstand oder der Geschäftsführung gesteuert. Dazu meint Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von etventure: „Die Digitale Transformation greift in sämtliche Prozesse und auch in die Kultur des Unternehmens ein. Veränderungen mit dieser Tragweite können nur von der Unternehmensleitung durchgesetzt werden. Ohne die volle Rückendeckung der Chefetage kann Digitalisierung nicht funktionieren.“

Statt das Thema zur Chefsache zu machen, wird die Digitalisierung dagegen in fast drei Viertel der Firmen (75 Prozent) von der eigenen Unternehmensentwicklung oder der IT-Abteilung betreut. Die falsche Herangehensweise, findet Depiereux: „Die bestehenden Strukturen in der IT oder anderen Abteilungen hemmen Innovationen. Stattdessen braucht es einen geschützten Raum, in dem Innovationen losgelöst von der bestehenden Unternehmensstruktur entwickelt und getestet werden können.“

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Insofern überrascht es wenig, dass Unternehmen als zentrales Hemmnis der Digitalisierung (65 Prozent) die „Verteidigung bestehender Strukturen“ nennen. Außerdem fehlt es den Unternehmen häufig an Zeit (54 Prozent) und an der notwendigen Erfahrung (52 Prozent) zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Auch hier wird die Führungsschwäche in den Firmen deutlich: Gut 40 Prozent sagen, dass „notwendige weitreichende und radikale Entscheidungen von den Führungskräften gescheut werden“ oder man „zu festgefahren“ sei.

Optimistischer Blick in die Zukunft

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Die Unkenrufe, denen zufolge die Digitalisierung viele Arbeitsplätze kosten könnte, haben sich in den Unternehmen aber offenbar bislang nicht durchgesetzt. Hier herrscht grundsätzlich Optimismus vor. Insgesamt glauben nur 18 Prozent, dass die Digitale Transformation zum Abbau von Arbeitsplätzen führen wird. Dagegen erwarten 23 Prozent, dass durch die Digitalisierung neue Stellen geschaffen werden, und 59 Prozent rechnen zumindest mit konstanten Beschäftigtenzahlen. Dass sich die Digitalisierung zukünftig aber auch auf die Arbeitswelt auswirken wird, ist der absoluten Mehrheit der Firmen bewusst: 92 Prozent glauben, dass sich die Anforderungsprofile und Arbeitsweisen im Unternehmen im Zuge der Digitalen Transformation verändern werden.

Zusammenarbeit mit Startups

Um die Digitalisierung zu bewältigen, suchen sich die Konzerne zumindest hin und wieder Hilfe von außen: Rund jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) nutzt etwa Kooperationen mit Startups.

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Von der Zusammenarbeit mit Startups erhoffen sich die Unternehmen vor allem einen besseren Zugang zu Technologien (87 Prozent) sowie schnellere und vermehrte Innovationen (85 Prozent). Außerdem wollen sie von Startup-Methoden lernen (81 Prozent) und Piloten schneller umsetzen (71 Prozent). Gleichwohl sehen Unternehmen aber auch Probleme einer Kooperation, beispielsweise aufgrund von mangelndem Verständnis für die Abläufe in Großunternehmen (74 Prozent). Auch zu unterschiedliche Sicherheitsanforderungen (72 Prozent) und stark divergierende Unternehmenskulturen (66 Prozent) werden als kritische Punkte genannt.

Weitere Ergebnisse der Studie im E-Paper

Für die etventure-Studie wurden Vorstände, Geschäftsführer und die für die Digitalisierung verantwortlichen Führungskräfte in 2.000 deutschen Großunternehmen mit einem Mindestumsatz von 250 Mio. Euro pro Jahr befragt. Ein detailliertere Darstellung der Ergebnisse mit zentralen Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der Digitalen Transformation kann über die zugehörige Website angefordert werden.

Die Kernergebnisse gibt es hier noch einmal im Überblick:

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Autor

Doris Bärtle ist PR Managerin bei etventure. Zuvor arbeitete sie im Bereich Unternehmens- und Markenkommunikation und im Event Management.

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