Das Digital-Jahr 2018 – Endlich Aufbruchstimmung!

21. Dezember 2018

Die DSGVO, der Datenskandal von Facebook, der Startschuss für Apple Pay, das Aus für die Cebit oder die erst jüngst beschlossene KI-Strategie der Bundesregierung – Das Digital-Jahr 2018 hielt einige Aufreger und Highlights bereit. Vor allem aber sehe ich im Rückblick 2018 als das Jahr, in dem in Deutschland endlich ein Mentalitätswandel bei der Digitalisierung eingesetzt hat – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik. Aufbruchstimmung und Optimismus statt Schwarzmalerei. Gut so!

Die Fortschritte sind nicht zu übersehen

Während es in den vergangenen Jahren scheinbar zum guten Ton gehörte, die schleppende digitale Transformation hierzulande zu kritisieren, haben sich die Vorzeichen inzwischen geändert. Das liegt daran, dass sich tatsächlich etwas tut. Die Zahl der deutschen Unternehmen, die sich gut auf die Digitalisierung vorbereitet fühlen, steigt von Jahr zu Jahr, wie die etventure-Studie „Digitale Transformation 2018“ zeigt. Kaum ein Konzern oder Mittelständler, der das Thema nicht angeht. Und auch wenn viele Initiativen zum Teil noch zu vorsichtig, zu langsam und mit dem typisch deutschen Hang zum Perfektionismus entstehen, die Fortschritte sind nicht zu übersehen. Das gilt längst nicht nur für die großen DAX-Konzerne. Auch Mittelständler aus der traditionellen Industrie wie etwa der Stahlhändler Klöckner, der Heizungsbauer Viessmann oder der Maschinenbauer Trumpf zeigen, dass es sich auszahlt, bei der Digitalisierung voranzugehen.

Ähnliches lässt sich zur Politik sagen. Vor Kurzem hat die Bundesregierung ihre Strategie zur Künstlichen Intelligenz verabschiedet: Bis 2025 sollen drei Milliarden Euro in die Schlüsseltechnologie fließen. Deutschland muss sich gegenüber der Konkurrenz aus den USA und China behaupten. Das ist mittlerweile verstanden, die Aufholjagd ist gestartet. Kritiker mögen monieren, dass diese Initiative viel zu spät komme. Und natürlich ist das Budget im Vergleich zu den 50 Milliarden, die China in KI investieren will, sehr gering. Aber es ist ein Anfang. Zugleich taugen die Herangehensweisen aus dem Silicon Valley oder Fernost auch nicht zur Nachahmung. Blinde Technologie-Hörigkeit verträgt sich nicht mit unserem Anspruch an Datenschutz und Datenethik. Es geht darum, für Deutschland und Europa das richtige Maß zwischen dem zu finden, was aus technologischer Sicht möglich ist, und dem, was uns als Menschen dienlich ist. Denn in Zentrum der Digitalisierung muss der Mensch stehen.

Symbolisch dafür steht die DSGVO. Jedes Unternehmen hat 2018 einiges an Zeit darauf verwenden müssen, sich mit den neuen Regelungen der Datenschutzgrundverordnung herumzuschlagen. Entsprechend groß war die Kritik: zu aufwändig, zu bürokratisch, in seinen eigentlichen Zielen –  nämlich dem Datenhunger der großen Tech-Konzerne einen Riegel vorzuschieben – verfehlt. Tatsächlich wird die DSGVO außerhalb Europas als richtungsweisend gesehen. „Die EU-DSGVO ist ein unglaubliches Fundament, auf das wir alle aufbauen sollten“, erklärte Apple-Chef Tim Cook erst kürzlich. Mit diesem Regelwerk hat die EU einen Meilenstein gesetzt.

Die Menschen befähigen

Nur versagt jedes Regelwerk an dem Punkt, an dem das Gewohnheitstier Mensch AGBs blind bestätigt ohne zu hinterfragen, was mit seinen Daten passiert. Diese Woche hat das Hasso-Plattner-Institut einmal mehr der Deutschen beliebteste Passwörter veröffentlicht: Die Ziffernfolge 123456 rangiert hier auf Platz 1. Offenbar besteht noch reichlich Nachholbedarf darin, Menschen im sicheren Umgang mit Tools und Technologien zu schulen. Auch generell wird das Thema digitale Weiterbildung und Schulung zentral werden in den kommenden Jahren. Denn ob Digitalisierung gelingt, hängt entscheidend davon ab, dass wir es schaffen, die Menschen in diesem Wandel mitzunehmen und zu befähigen. Zum einen können wir es uns angesichts des Fachkräftemangels nicht leisten, eine Gruppe digital Abgehängter zu schaffen. Zum anderen kommen die großartigen Chancen und neuen Möglichkeiten der Technik nur dann zum Tragen, wenn alle davon profitieren.

Dazu gehört nicht nur, dass Digital- und IT-Kompetenzen in Schulen vermittelt werden. Es geht auch darum, Fähigkeiten aufzubauen und zu fördern, die niemals von Maschinen übernommen werden können: Kreativität und Innovationsfähigkeit, Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke, Teamwork und Führungskompetenz. Diese vermeintlichen „Soft Skills“ werden in der fortschreitenden Automatisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen und sollten vom Schulkind bis zum Vorstandsvorsitzenden vermittelt werden. Denn gerade an diesem Punkt ist lebenslanges Lernen und „Train the Trainer“ – also die Schulung von Lehrern und Führungskräften – besonders wichtig.

Das ist insgesamt eine gewaltige Aufgabe, vor der Unternehmen, Politik und Gesellschaft stehen. Ich bin aber hoffnungsvoll, dass uns dies gelingen wird. Denn 2018 ist nicht nur das Jahr, in dem sich – trotz mancher Rückschläge – in Sachen Digitalisierung vieles in die richtige Richtung bewegt hat. Es ist auch ein Jahr, in dem sich endgültig ein Sinneswandel bemerkbar gemacht hat. Meine Suche nach Optimisten und Gestaltern des digitalen Wandels, die ich in zahlreichen ChangeRider-Fahrten dieses Jahr interviewt habe, hat ganz deutlich gezeigt: Es gibt diese Menschen, und man muss gar nicht lange nach ihnen suchen. Deutschland verfügt über viele Persönlichkeiten, die eine positive Sichtweise auf diesen Wandel haben und sich zunehmend auch in der öffentlichen Debatte Gehör verschaffen.

Dazu gehören nicht nur Unternehmer und Manager. Die junge Politikergarde rund um Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, FDP-Chef Christian Lindner, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil oder auch den neuen Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, zeigt, dass sie Digitalisierung verstanden hat. Dass es darum geht, Risiken einzugehen, schnell zu sein und Dinge einfach mal auszuprobieren, auch wenn sie vielleicht noch nicht perfekt sind. Ein Beispiel hierfür ist die Plattform für digitale Bürgerservices. Dieser Portalverbund wird zwar erst 2022 fertig sein, ein Prototyp (MVP) ist aber jetzt schon verfügbar, nur eben noch nicht mit allen Features. Es ist genau diese Herangehensweise, die wir uns für eine erfolgreiche Digitalisierung aneignen müssen.

Nicht meckern, sondern machen – das ist mein Plädoyer seit Langem und wird es auch für 2019 sein. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen etventure Kolleginnen und Kollegen, unseren Kunden und Freunden und natürlich allen Lesern erholsame Weihnachtstage und einen gelungenen Start in ein hoffentlich noch erfolgreicheres Digital-Jahr 2019 – mit viel Energie, Optimismus und Umsetzungsfreude!

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Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

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