ChangeRider #9 – Prof. Dieter Kempf

Folge 9 beim ChangeRider, meinem „Talk im Tesla“ mit Gestaltern der Zukunft aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: Auf dieser Fahrt begleitet mich der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Dieter Kempf. Auf seiner Fahrt erzählt er, was für ihn die wichtigsten vier Grundfragen der Digitalisierung sind, und wieso die Chance, dass revolutionäre Impulse aus einer alternden Gesellschaft kommen eher gering sind.

“Man kann schwierige Dinge nicht mit Logik kommunizieren. Wenn ich Menschen brauche, muss ich sie im Herzen erreichen”

Prof. Dieter Kempf ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und wird gerne mal als humorvoller Typ mit unkonventioneller Führung beschrieben. Kempf ging nach seiner Zeit als Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young zur Nürnberger Software-Genossenschaft Datev, sitzt dort 25 Jahre im Vorstand, rund 20 Jahre davon als Vorstandsvorsitzender. Anschließend ist er vier Jahre Präsident des Digitalverbands Bitkom – nun will er den BDI ins digitale Zeitalter führen. Eine spannende Aufgabe.

Im ChangeRider spricht Kempf über die Möglichkeiten der Digitalisierung und warum es neben Breitbandausbau eben auch wichtig ist, das Thema ganzheitlich zu betrachten und gezielt die Maßnahmen für das eigene Unternehmen zu entwickeln. “Eine digitale Transformation braucht vier Dinge”, so der BDI-Präsident. “Man muss sich fragen: Kann ich das Produkt digitalisieren, wie kann ich den Prozess digitalisieren, wie kann ich digitale Plattformen nutzen und welche digitalen Technologien kann ich selbst anwenden?” In jedem Unternehmen werde es eine unterschiedliche Kombination dieser vier Bestandteile geben. “Mein Lieblingsbeispiel: Die digitale Brezel wird es auch in 50 Jahren noch nicht geben. Aber ein Bäckermeister kann eben die anderen drei Prozesse anstoßen.”

Der ChangeRider beim Tag der Deutschen Industrie

Neue Wege auszuprobieren und die Digitalisierung voranzutreiben, in Unternehmen und Startups, stellt auch ein Risiko dar. Der diesjährige Tag der Deutschen Industrie in Berlin (TDI) befasst sich mit eben diesem Thema: Risiko. Auf Einladung des BDI wird auch der ChangeRider – dieses Mal nicht im Tesla, sondern in einem brandneuen, deutschen Elektroauto (Markteinführung 2019) einfahren. Ich interviewe die Gäste direkt vor Ort in der Veranstaltungshalle. Die Industriekonferenz ist mit über 80 Speakern, zwölf Nationen und zahlreichen Vertretern der Politprominenz, allen voran Angela Merkel, enorm bedeutsam für die wirtschaftliche und politische Entwicklung in Deutschland.

Der Mut, etwas zu riskieren, ist auch für unternehmerische Weiterentwicklung und innovative Ideenentwicklung ein Muss. Häufig stellt Kempf während seiner Arbeit mit dem Startup Incubator Zollhof  fest, dass immer mehr große Unternehmen einen Bedarf für Kooperationen mit Startups haben. “Die Unternehmen merken, dass sie zwar eine Menge Know-how in den Entwicklungsabteilungen haben, aber nicht in allen Bereichen die notwendige Agilität. Wir müssen uns kritisch fragen: Wie viel Entwicklung haben wir zugelassen ohne Vorstandsvorlagen?” Auch in seiner eigenen Arbeit habe der 65-jährige festgestellt, dass man Menschen manchmal nicht mit Logik erreiche. Um wichtige Themen voranzutreiben und umzusetzen, müsse man die Menschen im Herzen erreichen.

Im ChangeRider plädiert Kempf außerdem dafür, die Debatte um Elektromobilität noch ergebnisoffen zu diskutieren, erklärt, warum das Programmieren die spannendste Art von Unterricht sein kann und was digitale Souveränität für ihn bedeutet. Als nächsten Mitfahrer nominiert der BDI-Präsident Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler Gruppe tätig.

Kennen Sie außerdem Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominieren Sie einen Changerider-Mitfahrer unter: nomination@changerider.com.

Alle Informationen und Hintergründe finden Sie auf ChangeRider.com. Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als Podcast bei Soundcloud und Spotify verfügbar.

Kommentare

Autor

Zunächst als Berater, dann als CEO eines mittelständischen Unternehmens mit 250 Mitarbeitern und heute als Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung und Startup-Schmiede etventure beschäftigt sich Philipp Depiereux mit Innovationsprojekten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er etventure mit der Vision, die Erfahrungen als Unternehmer und Innovationstreiber im Mittelstand, in der Konzernwelt, in Startups sowie in Digitalprojekten im Silicon Valley in einem Unternehmen zu bündeln.

Alle Artikel lesen