Von Digitalisierung und digitaler Transformation – Die wichtigsten Themen des Monats November im Überblick

27. November 2015

In unserer Rubrik „Von Digitalisierung und digitaler Transformation“ geben wir nun monatlich einen Überblick, welche Themen und Schwerpunkte führende Medien im Zusammenhang mit der Digitalisierung setzen. Ein – zugegeben selektiver – Gradmesser, wo die Wirtschaft in Sachen Digitalisierung steht.

Hier die wichtigsten News in der Zusammenfassung.

Die Deutschen tun sich weiter schwer mit der Digitalisierung (WIRED)

„Das Digital-Dilemma der deutschen Wirtschaft“, nennt es Karsten Lemm, Autor des WIRED-Artikels. Auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung waren sich alle einig: „Die digitale Welt wirbelt alles durcheinander“. Und betrifft dabei so ziemlich jede Branche, ob Banking, Genetik oder Stahlhandel. „Alles wird digital, ob wir wollen oder nicht (und) viele wollen eigentlich lieber nicht, aber was bleibt ihnen übrig?“

So musste Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, eingestehen: „Die gesamte Finanzindustrie befindet sich im Umbruch, der fundamentale Konsequenzen haben wird“ und gibt offen zu, dass Banken dabei sehr spät dran seien. Unterdessen mietet sich  Gisbert Rühl, Vorstandschef des 109 jährigen Stahlriesen Klöckner derzeit im Berliner Betahaus ein, um herauszufinden, „warum Startups so viel schneller sind, als wir Corporates“, und investiert massiv in die Digitalisierung der Prozesse (mit Unterstützung von etventure). Dafür wird er, nach anfänglichem Kopfschütteln, nun gelobt und gefeiert. Aber auch Christian Boos, der mit seiner Firma künstliche Intelligenz zum Optimieren von Alltagsprozessen einsetzt, erzählt: „Keiner will jemals etwas falsch machen. (…) Lieber nichts machen, als Fehler, von denen man sich erholen muss“. Hierfür müsste allerdings eine Fehlerkultur entwickelt werden, die das zulässt. Aus Fehlern zu lernen, schnell und günstig (fail fast and cheap), um in der schnelllebigen, digitalen Welt mithalten zu können.

2020 läuft das Business digital  (CIO)

In Fünf Jahren, also im Jahr 2020, erwirtschaften laut US-Marktforscher Forrester, Unternehmen die Hälfte ihres Umsatzes mit digitalen Services und Produkten. Dies betrifft insbesondere die Versicherungsbranche, aber auch die Konsumgüterindustrie und den Handel.

Dabei erklären gegenüber Forrester jedoch nur rund 26 Prozent, dass der CEO eine klare Vision für die Digitalisierung des Unternehmens formuliert hätte. Zudem denken nur 25 Prozent der Befragten, „dass das Unternehmen das Potenzial dieser Entwicklung verstehen und umsetzen kann.“ und nur jeder Fünfte glaubt (19 bis 21 Prozent), die nötigen Technologien, eine entsprechende Kultur oder Fähigkeiten seien bereits im Unternehmen vorhanden“.

Im Kern seien es folgende Punkte, die zur Umsetzung der Digitalisierung zählen: Digital Marketing-Strategie, Auswahl digitaler Medien, Customer Analytics, Customer Experience-Strategie, Social Media-Marketing, CRM, Web-Strategie, Web Design, Entwicklung mobiler Kunden-Apps, Auswahl der Vendoren, digitales Mitarbeiter-Engagement, Digital Sales und Corporate Communications.

Was die Manager der Zukunft anders machen (WirtschaftsWoche)

Die WirtschaftsWoche stellt fest: „E-Commerce ist jetzt schon wieder Vergangenheit: Wer sein Unternehmen fit für die Zukunft machen will, braucht vor allem Mut“ und geht dabei der Frage nach „Was die Macher von morgen können und welche Probleme sie angehen müssen.“

Laut globaler Kompetenzanalyse der Personalberatung Russell Reynolds sind es fünf Kriterien: „Innovationswille, Mut, technologisches Neuland zu betreten, Führungsstärke und Zielstrebigkeit sowie ein hohes Maß analytischer und intellektueller Unabhängigkeit“. Ein Beispiel dafür seien Larry Page und Sergey Brin, „die den ohnehin digitalen Suchmaschinengiganten Google mit dem radikalen Umbau zum Digitalkonglomerat Alphabet auf die nächste Stufe gehoben haben.“

Die aktuelle Manager-Generation sei für die akuten Herausforderungen jedoch schon biografisch nicht optimal aufgestellt und könne sich im besten Fall als ‚Half Digital Natives‘ bezeichnen. „Eines der größten Probleme ist, dass viele Entscheider mit einem bestimmten klassischen Geschäftsmodell ihre Karriere gemacht haben. Nun sind aber in der Digitalen Disruption viele Mechaniken außer Kraft gesetzt und andere Kompetenzen und Talente in dieser Situation gefragt.“

Daimlers Ex-Boss hält Tesla für einen Witz (Gründerszene)

Zu guter Letzt, noch eine Meinung, die den interessierten Leser in der Form sicherlich überrascht: In einem Interview mit dem Radiosender SWR1 hat sich Edzard Reuter, von 1987 bis 1995 Vorstandsvorsitzender von Daimler Benz, sehr deutlich zu Tesla geäußert, was Gründerszene in einem kurzen Kommentar zusammengefasst hat.

Auf die Frage, ob Tesla die deutsche Autoindustrie gefährde, antwortet Reuter:

„Das ist doch ein Witz! Das ist doch nicht Ernst zu nehmen in der Abwägung mit einem großen Industrieunternehmen. Das sind kleine Aufkömmlinge, die übrigens mit gewaltigen Verlusten, die sie ständig machen, sich das geleistet haben. Also warten wir’s mal ab. (…) Nein, ich bleibe dabei: Die deutsche Autoindustrie braucht sich technologisch mit Sicherheit nicht verstecken.“

Die Gefahr durch die Digitalisierung sieht er dabei durchaus. „Hier kommt es darauf an, ob die deutsche Automobilindustrie es schafft, ihre Spitzenposition in einem völlig neuen Umfeld zu bewahren.“ Umso erstaunlicher, vor diesem Hintergrund, die konfrontative Meinung zu dem Angreifer aus dem Silicon Valley.

 

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen der Artikel und ein harmonisches Wochenende!

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