Die nächste Niederlage für den klassischen Berater – Allianz holt sich für die Digitalisierung Rocket Internet ins Boot

03. August 2016

Für die Startup-Szene war es die Nachricht Anfang dieser Woche: Die Allianz und die Startup-Schmiede Rocket Internet machen gemeinsame Sache. Wie die Zusammenarbeit im Detail aussehen wird, ist noch unklar. Das Ziel der Kooperation ist offenbar vor allem, die Digitalisierung bei dem Traditionsversicherer zu beschleunigen. Nachdem Rocket’s Kooperation mit Roland Berger vergangenes Jahr gefloppt war, bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit dieses Mal entwickelt. Eines wird aber schon jetzt deutlich: Die klassischen Berater sind nicht mehr die erste Wahl wenn es um die Digitalisierung geht.

Wie viele etablierte Konzerne stellt sich offenbar auch die Allianz die Frage, wie die Digitalisierung in dem Traditionsunternehmen gelingen kann. Und vor allem, wie die Umstellung auf digitale Prozesse möglich schnell funktioniert. Dafür holt sich die Allianz nun einen bekannten Partner ins Boot. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kündigten Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz, und Rocket-Chef Oliver Samwer an, die digitale Transformation des Versicherers in Zukunft gemeinsam vorantreiben zu wollen.

„Warum dauert bei uns 100 Wochen, was Rocket in 100 Tagen schafft?“

Wie genau, blieb im Gespräch jedoch sehr schwammig. „Wir wollen Menschen und Know-how austauschen“, erklärte Oliver Bäte. Diese Zusammenarbeit „institutionalisiere“ man gerade. Offenbar soll die Kooperation mit dem Internetunternehmen nicht nur zu einer besseren, schnelleren Digitalisierung bei der Allianz führen, sondern auch einen Kulturwandel anstoßen. „Unsere Mitarbeiter sind gut, aber die Kultur muss sich ändern“, so Bäte. „Es darf auch mal was schiefgehen, ohne dass einem der Kopf abgerissen wird. Diese Kultur zu ändern ist mühselige Überzeugungsarbeit und Analyse: Warum dauert bei uns 100 Wochen, was Rocket in 100 Tagen schafft? Dazu müssen wir tradierte Arbeitsabläufe beschleunigen, das ist ungemein schwierig.“

Für Rocket Internet ist es nicht die erste Zusammenarbeit mit einem bekannten Unternehmen. Im Dezember 2014 verkündete die Unternehmensberatung Roland Berger noch vollmundig, man wolle im Joint Venture mit Rocket Internet einen „Super-Inkubator“ gründen. Viel ist aus den einst großen Plänen von Roland Berger-CEO Charles-Edouard Bouée nicht geworden. Zwar habe es Gespräche zwischen den beiden Geschäftspartnern gegeben, doch zur Umsetzung eines Projektes ist es seither nicht gekommen.

Dilemma für die klassischen Beratungen, Bewährungsprobe für Rocket

Daran zeigt sich vor allem eines: Während die klassischen Beratungen wie Roland Berger darum ringen, auch in der Digitalisierung als glaubwürdige Experten und Ratgeber wahrgenommen zu werden, haben viele Unternehmen längst erkannt, dass sie das notwendige digitale Know-how woanders suchen müssen. Dass nun die Allianz die Startup-Schmiede Rocket Internet als Partner auserkoren hat und nicht etwa McKinsey, Deloitte oder BCG, steht sinnbildlich für das Dilemma, in dem sich die etablierten Beratungen befinden. Ihnen fehlt nicht nur die digitale Expertise, sondern auch der unternehmerische Ansatz und die Erfahrung und Vernetzung in der Startup-Szene, um ihre Beratungsleistung für die digitale Transformation von Unternehmen authentisch anbieten zu können.

Doch auch für Rocket Internet stellt die Kooperation mit der Allianz eine Bewährungsprobe dar. Denn das Internetunternehmen ist bislang vor allem dafür bekannt, Startups groß zu machen. Die Digitalisierung eines Traditionsunternehmens gehörte bislang nicht zur typischen Rocket-Spielwiese. Insofern beschreitet auch Rocket hier neue Wege. Man darf gespannt sein, wohin diese führen werden.

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