“Culture and People first – gerade in Corona-Krisenzeiten!”

22. Juni 2020

Im Interview spricht etventure Gründer Philipp Depiereux über ein zentrales Element der etventure Unternehmenskultur: unsere Core Values – sieben Prinzipien und Überzeugungen. Wie diese entstanden sind und unseren Arbeitsalltag beeinflussen, wie diese Prinzipien auch das Handeln in Corona-Zeiten erleichtern und warum etventure damit keine Beratung wie jede andere ist, erfahren Sie in diesem Interview.


Mit der Mischung aus unserem Startup-Spirit, unserer Umsetzungsstärke, Flexibilität und Geschwindigkeit und dem starken Zusammenhalt im etventure-Team unterscheidet etventure sich als Digitalberatung und Startup-Schmiede sehr deutlich von anderen Unternehmen. Wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur sind unsere Core Values: Hands-on-Mentalität, Kreativität, methodisches Arbeiten, Mut, Energiereichtum, höchste Ambitionen sowie ein respektvoller Umgang miteinander. Sie sind Grundlage für unseren Anspruch als unternehmerischer Partner mit unseren Kunden die digitale Transformation und die vernetzte Wirtschaft der Zukunft zu entwickeln und voranzutreiben.

Christian van Alphen: Lieber Philipp, Anfang 2019 hast du gemeinsam mit unserem Leadership Board die etventure Core Values eingeführt. Was war eure Motivation dahinter?
Philipp Depiereux:
Ich denke, dass zu Beginn einmal die Definition von Core Values ganz wichtig ist: Mit Core Values sind keine Werte gemeint, sondern Prinzipien und Überzeugungen.  Werte haben einen strebenden und werbenden Aspekt, der gleichzeitig moralische und ethische Dimension hat. Unsere Core Values hingegen zeigen auf, wofür wir stehen, wie wir arbeiten, was etventure ausmacht und geben gleichzeitig die Richtung vor, in die wir uns gemeinsam entwickeln. So können wir beispielsweise auch in der Coronakrise selbstständig im Homeoffice arbeiten und sicher sein, dass wir alle das gleiche Verständnis von unserer Entwicklung und Richtung haben. Unsere Core Values zeigen den tatsächlichen “Status quo” unseres Unternehmens und unsere Prinzipien geben nicht vor, was wir in einer Zukunft mal sein wollen, sondern bilden unsere aktuellen Stärken und Kompetenzen im Heute ab.

Gemeinsam mit unserem Leadership Board – welches sich aus acht Mitarbeitern unterschiedlichster Bereiche zusammensetzt und auf einer Ebene mit der  Geschäftsführung etventure leitet – haben wir die Core Values ins Leben gerufen. Und auch wenn wir nicht in Prozesse und Projekte involviert sind, helfen die Core Values unseren Teams, damit dass Unternehmen in unserem Sinne weiterhin funktioniert.

Kannst Du einmal von dem Entstehungsprozess erzählen? 
Damit wir in dem Entstehungsprozess sicherstellen konnten, dass wir uns an unserem “Ist-Stand” orientieren, also was uns heute ausmacht, haben wir eine gedankliche “Mars-Mission” geplant. Zunächst haben wir uns einen psychologischen Trick zu Nutze gemacht: Der Mensch neigt nämlich dazu bei anderen häufig die Stärken zu erkennen, die in uns selbst ebenfalls angelegt sind und daher ist es hilfreich, sich auf ein Gedankenspiel einzulassen, um diese zu ergründen. Die Frage war: Wen schicken wir auf eine Mission zum Mars, um den Marsianer*innen zu berichten, was etventure ausmacht? Welche fünf Personen könnten das Unternehmen etventure mit allen Facetten vertreten? Jeder aus unserem Leadership Board musste sich fünf bestehende Mitarbeiter aussuchen. Dabei ging es nicht um die Personen selbst, sondern um die Spiegelung ihrer Eigenschaften. Im Anschluss haben wir uns in einer Diskussionsrunde auf eine “Truppe” geeinigt. Das war ein enorm dynamischer Gruppenprozess, denn es geht in der Diskussion nicht um Namen oder die Person, sondern um die dahinterstehende Überzeugung was uns ausmacht. Was ist die wichtigste Charaktereigenschaft, die diese Personen in diesem Unternehmen repräsentiert und warum? Wir stellten dann fest, dass diese Eigenschaften zu 80 Prozent unseren eigenen entsprechen. Und das Ergebnis waren schlussendlich die wichtigsten Prinzipien, die uns ausmachen.

Der Fehler, der aus meiner Sicht übrigens am häufigsten gemacht wird ist, dass Unternehmen diesen Prozess „aufweichen“, indem später Core Values neu dazu kommen oder aussortiert werden, sobald einzelne Mitarbeiter nicht zufrieden mit diesen sind. Damit wird die gesamte Glaubwürdigkeit zerstört und die Bedeutsamkeit enorm herabgestuft. Der ganze Prozess erhält den Anschein eines „Wunschkonzertes“, dabei sollte er den Mitarbeitern einen festen Rahmen geben, an dem sie sich orientieren können und der eben auch unveränderlich und unumstößlich ist. Es geht dabei um Integrität. Man steht zu dem, was man sagt.

Hands-on-Mentalität, Kreativität, methodisches Arbeiten, Mut, Energiereichtum, höchste Ambitionen sowie einen respektvollen Umgang miteinander – sind aus deiner Sicht alle Core Values gleichermaßen wichtig? Gibt es eine Einstellung, die dir persönlich besonders wichtig ist?
Grundsätzlich sind uns alle Core Values gleich wichtig. Allerdings kann es zu verschiedenen Abstufungen in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen kommen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Kreativität beim Grafikdesigner oder Marketingmitarbeiter eine zentralere Eigenschaft ist als in anderen Bereichen. Kreativität hilft aber generell, Dinge anders zu machen als sonst – auch etwa in der Personalabteilung, bei der Erstellung neuer Auswahlprozesse. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen die eigene Kreativität eine große Rolle spielt, um den Arbeitsalltag zu gestalten.

Daher ist uns wichtig, dass sich die Mitarbeiter mit all diesen Prinzipien und Einstellungen aktiv auseinandersetzen und wir nach ihnen handeln. Es gibt ein Beispiel, bei denen Mitarbeiter mir entgegengetreten sind, um mir Feedback zu geben. Mir war die Kommunikation in einem vorangegangenen Meeting nicht gut gelungen. Das ehrliche und respektvolle Feedback hat mir für die Zukunft sehr geholfen und ich erhielt gleichzeitig die Möglichkeit, mich direkt zu entschuldigen. An diesem Fall konnte ich auch sehen, dass unser Team nun sehr aufmerksam ist, wie unsere Core Values gelebt werden und gleichzeitig sind sie eine gute Unterstützung für unsere Feedbackkultur.

Wie schaust du auf das erste Core Value-Jahr zurück? Wie sind sie angekommen und was hat sich seit der Einführung bei etventure geändert?
Der Start verlief zunächst etwas schleppend. Mit verschiedenen Grafiken und Postern haben wir das Team auf unsere Core Value aufmerksam gemacht. Den meisten war allerdings noch nicht genau klar, was die Core Values wirklich in der Praxis für sie bedeuten. Die erste Abteilung, die unsere Prinzipien und Einstellungen wirklich sehr sinnvoll aufgenommen hat, war das Recruiting. Ziel war es, Bewerber anhand der sieben Kriterien einzuordnen und ihnen somit gleichzeitig unseren etventure-Spirit näherzubringen.

Als nächsten Schritt haben wir unsere Core Values dann im vergangenen Herbst in unsere Feedbackgespräche einfließen lassen. Ich habe mir für jedes Mitarbeiter-Feedbackgespräch viel Zeit genommen, um die Mitarbeiter anhand unserer Core Values zu bewerten und konkrete Beispiele zu nennen. Die Core Values haben mir und dem Team bei den Gesprächen rückblickend sehr geholfen.

Dann kam natürlich die Frage auf: Wie können wir die Core Values in das tägliche Miteinander einbauen? Zu Beginn habe ich noch jeden Tag E-Mails mit Feedback zu den Core Values an einige Mitarbeiter versendet. Seit Januar haben wir nun sogar unsere eigene Core Value-App, die unser Team mit viel “Energiereichtum” innerhalb kürzester Zeit entwickelt hat. Mit dieser App können wir ganz einfach und schnell Kollegen*innen für einen oder mehrere Core Values nominieren. So werden unsere Prinzipien und Einstellungen noch einmal konkreter und wir können diese dann auch besser leben und in uns aufnehmen.

Core Values

Es gibt immer Verbesserungspotential: Wo siehst du es bei etventure im Hinblick auf die Core Values? 
Wir befinden uns aktuell in der Phase der positiven Kommunikation, was auch unsere etventure-DNA sehr stark ausmacht. Wir müssen uns jedoch auch mit den optimierungswürdigen Punkten auseinandersetzen. Selbstverständlich gab es auch schon Situationen, in denen wir gezwungen waren, eine Personalentscheidung zu treffen, wenn Personen nachhaltig nicht nach unseren Core Values gehandelt haben. Daher finde ich es wichtig, sowohl auf positives als auch negatives Feedback hinzuweisen und die Core Values für Entwicklungspotential zu nutzen.

Der Corona-Virus hält aktuell die ganze Welt in Atem und hat uns alle in einen Art Ausnahmezustand versetzt. Wie helfen die Core Values in Zeiten wie diesen?
Seit mehr als drei Monaten arbeitet unser gesamtes Team im Home Office, was uns alle vor neue Herausforderungen stellt. Unsere Prinzipien helfen uns besonders jetzt trotz ‘Physical oder Social Distancing’ in einer solch schwierigen Zeit, unseren etventure Spirit beizubehalten, selbstständig zu arbeiten und aufeinander vertrauen zu können. Trotz der erschwerten Bedingungen hat das Team die neuen Umstände herausragend gemeistert und auch jetzt bewiesen was etventure ausmacht. Das hat vor allem der Mut, Energiereichtum und die Hands-On-Mentalität unseres Teams gezeigt und zu tollen Resultaten geführt: von der Entwicklung der CovidPulse-App , über die Kundenprojekte, die sehr erfolgreich remote weitergeführt werden konnten bis hin zum Launch einer neuen Webseite, mit der wir Unternehmen zeigen, wie sie eine erfolgreiche remote Arbeitskultur etablieren können. Nicht zu vergessen: Unser Team hat uns als Leadership Board auch jederzeit mit größtem Verständnis und Flexibilität bei unserem Führungskurs durch diese herausfordernde Lage unterstützt. An der Stelle möchte ich dafür einmal Danke sagen: Ich bin sehr stolz, wie wir uns in unserer etventure-Familie weiterhin gegenseitig unterstützen. Es wird auf allen Ebenen unserer Organisation eine Menge Arbeit geleistet, um etventure in dieser herausfordernden Zeit und darüber hinaus zu stärken. Hier kann sich jeder im Sinne der Core Values nominiert fühlen.

Um noch einmal auf unsere App zurückzukommen: Du bist Power-User. Wie setzt du die App ein und was ist für dich der Mehrwert?
Allein die Tatsache, dass wir in kürzester Zeit, so eine App entwickeln, sind für mich gelebte Core Values. Einfach mal machen – das dachten sich auch unsere Mitarbeiter mit dieser Idee: Sie haben das Bedürfnis im Unternehmen erkannt, die Core Values noch konkreter anwenden zu können und ohne Freigabeprozesse abzuwarten oder sich Budget einzuholen sofort gehandelt. Innerhalb weniger Tage gab es die App – das nenne ich hands-on, energiereich, methodisch und sehr ambitioniert!
Wir haben dann innerhalb von zwei Monaten ungefähr 1500 Core Value Nominierungen erhalten, das ist ein sehr guter Wert. Ich selbst nutze die App regelmäßig und bin sehr begeistert, da man vollkommen unkompliziert und innerhalb weniger Minuten eine Kollegin oder einen Kollegen nominieren kann. Sie macht es uns noch leichter, die Core Values in unser tägliches Miteinander einzubauen und die Leute erfahren Wertschätzung für Ihre Leistungen, auch von Personen, die sonst kein Feedback geben würden. Wir sehen dadurch, dass unsere Prinzipien und Einstellungen gelebt werden und bekommen anhand der Zahlen auch einen Einblick darin, wo wir besonders gut und in welchen Bereichen unsere Core Values noch nicht so ausgeprägt sind. Das finde ich sehr spannend. Ich selbst nutze die App mehrfach die Woche und freue mich sehr meine Kollegen zu nominieren – und natürlich auch selbst ab und zu nominiert zu werden.

Du hast es ja bereits erwähnt – die Core Values spielen auch in unserem Recruiting-Prozess eine große Bedeutung: Was möchtest du zukünftigen “etventurists” mitgeben, die sich bei uns bewerben? Was ist dir wichtig?
Bei etventure sind uns neben der Fachkompetenz vor allem auch Sozialkompetenzen sehr wichtig. Wir legen auf das Miteinander im Team sehr viel Wert, um gemeinschaftlich mit einem guten Gefühl, Ehrlichkeit und Offenheit miteinander zu arbeiten. Hierbei sind unsere sieben Prinzipien und Einstellungen von großer Bedeutung, die wir jedem Bewerber kommunizieren und erklären, was hinter den einzelnen Core Values steckt. Was verbirgt sich hinter dem Core-Value Energiereichtum? Mit positiver Energie können wir jedes Problem lösen und jeden Widerstand überwinden. Das bedeutet für mich: Ich erkenne das Problem und spreche die jeweilige Person respektvoll darauf an und suche dann – ganz nach dem Core Value “Hands-On” – nach Lösungen. Ich wünsche mir von unseren Mitarbeitern, dass sie energiereich und mutig in eine offene Kommunikation gehen, anstatt ihren Frust über Kollegen beispielsweise über beim Tratschen in der Kaffeeküche zu lassen.

Jeder Bewerber sollte daher unsere sieben Prinzipien und Einstellungen kennen und verstehen – und sich natürlich auch selbst überlegen, ob er oder sie zu etventure passt.

Von den einzelnen Prinzipien und Einstellungen nun hin zum Thema Purpose. Immer mehr Unternehmen versuchen mittlerweile einen “Purpose” aufzuzeigen und ihre Handlungen an Überzeugungen auszurichten. Woher kommt dieser Wandel und warum ist er aus deiner Sicht wichtig?
Wir leben in einer VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) befinden, in der Unternehmen nur dann bestehen können, wenn sie flexibel sind und lernen, auf viele, schnell wechselnde Einflüsse entsprechend zu reagieren – allein der Covid-19 Virus hat das auf sehr krasse Weise gezeigt.
Viele Erfahrungen, Glaubenssätze und Paradigmen kommen auf den Prüfstand und den einen richtigen Weg oder Führungsstil in Unternehmen gibt es nicht. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren viele neue gesellschaftliche und politische Themen in den Mittelpunkt gerückt. Wenn man sich nun insbesondere die jüngere Generation anschaut, stellt man fest, dass viele neue und vor allem kritische Fragen über den zukünftigen Arbeitgeber stellen: Was ist mir wichtig? Kann ich mich in diesem Unternehmen verwirklichen und vertritt es meine Interessen?

Mit dieser Generation haben viele Mittelständler und Konzerne zu tun, daher gewinnt das Thema Purpose dort auch immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile ist es glücklicherweise so, dass viele Unternehmenslenker mehr und mehr Sinn getrieben in ihren Entscheidungen handeln und zunehmend auf eine intrinsische Motivation achten. Das kann vielleicht auch an ihren Kindern liegen, so wie es bei mir der Fall ist, und dazu führen, ein saturiertes, kapitalistisches Verhalten abzulegen und sich zunehmend für soziale Themen oder den Klimaschutz einzusetzen. Das ist meiner Meinung nach eine richtige und wichtige Entwicklung.

etventure im Jahr 2025 – was ist dein Bild für unsere Organisation in der Zukunft?
Mein Bild für etventure im Jahr 2025 ist, als Marke auch weiterhin eigenständig zu existieren, aber auch unsere Zusammenarbeit mit EY in vielen Bereichen zu verstärken, um uns gemeinsam dem Thema digitale Transformation zu widmen. Mit unserer eventure Kultur und Methodik sind wir gemeinsam mit EY und deren Methodik, Kompetenzen und weltweiter Präsenz der perfekte Unternehmenspartner, um dieses Thema sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft zu treiben. Bei nahezu allen traditionellen Unternehmen am Markt hat bisher noch keine erfolgreiche digitale Transformation stattgefunden. Spätestens jetzt zeigt die aktuelle Krise, was der digitale Rückstand zur Folge hat und entblößt bei vielen Unternehmen die Schwachstellen der versäumten Digitalisierung in den letzten Jahren.

Mein Bild für etventure in Richtung 2025 ist daher, als führender Transformationspartner für Wirtschaft und Politik – transformation partner of choice – tätig zu sein und gemeinsame Transformationsprojekte mit EY durchzuführen.

Core Values


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Autor

Christian van Alphen leitet die Kommunikation bei etventure. Darüber hinaus ist er Co-Initiator des ChangeRider: Ein Video- und Podcastformat mit der Mission, die positiven Geschichten rund um den digitalen Wandel zu erzählen und damit Mut für die Zukunft zu machen.

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