Was ist Co-Working? Und wenn ja, wie viele?

26. Juli 2016

Vergangene Woche haben wir unser neues Joint Venture „Friendsfactory by etventure“ vorgestellt. Unter der Headline Co-Working ist tot – Friendsfactory by etventure definiert den Community Workspace und wird zum Accelerator unter den Bürovermietern. Vor allem die Message „Co-Working ist tot“ hat einigen Aufruhr verursacht. Wir mussten uns unter anderem „Bullshit-PR“ vorwerfen lassen. Auch Harald Amelung, Gründer und Betreiber von Coworking0711, hat in seinem Blog deutlich gemacht, dass er mit dieser Aussage ganz und gar nicht einverstanden ist. Das wollen wir natürlich nicht unbeantwortet lassen.

Eines vorweg: Co-Working bleibt tot. Das Problem dabei, es gibt gefühlt so viele Definitionen für Co-Working wie Startups in Berlin. Hinzu kommt eine fast schon ideologisch geführte Diskussion um die richtige Schreibweise.

In diese wollen wir hier auch gar nicht tiefer einsteigen, aber offensichtlich existiert kein einheitliches Verständnis darüber, was genau unter Co-Working zu verstehen ist und was ein Co-Working-Space bieten muss. Daher zunächst einmal, was verstehen wir unter Co-Working: Menschen, unterschiedlichster Berufe und Unternehmensformen, arbeiten ohne festen Arbeitsplatz in großen, offenen Räumen zusammen. Und genau das ist unserer Ansicht kein Arbeitsmodell der Zukunft. Es ist nicht der Raum, wo Startups ihr Geschäftsmodell schnell und zielstrebig aufbauen und ihre Unternehmenskultur entwickeln. Und es ist nicht der geeignete Raum, in dem Startups und Corporates aufeinander treffen. Das sieht man allein schon daran, dass sich auch andere Anbieter weiterentwickeln und neue Angebote entwickeln. Die Aussage, Co-Working ist tot, ist sicherlich polarisierend, aber daher dennoch absolut zu vertreten.

Was steckt noch hinter der „Bullshit PR“?

Wie kommen wir auf all die oben genannten Annahmen? Ganz einfach, wir haben die Zielgruppen wie Unternehmer, Startups, Freiberufler, also den Kunden, zu seinen Bedürfnissen und Anforderungen an ein modernes Arbeiten befragt. Dazu zählen auch Acceleratoren und Innovation Hubs. Unter anderem ist auch die Expertise von Accelerate Stuttgart in dieses Konzept eingeflossen.

Die Ergebnisse, häufig genannt: Co-Working-Spaces sind zu laut und bieten zu wenig Raum für spontane Besprechungen und kaum verfügbare und schalldichte Rückzugsmöglichkeiten für Telefonate. Während für Freelancer eine moderne Arbeitsatmosphäre zu leistbaren Preisen schon genügt, erwarten Unternehmen von einem Co-Working-Space – neben den Faktoren Infrastruktur und Convenience – vor allem eine für sie „attraktive“ Mieterstruktur aus innovativen Startups. Startups selbst wiederum wünschen sich eine geleitete Community und Unterstützung durch Experten – ein reines „Nebeneinander-Arbeiten“ stellt für sie keinen Mehrwert dar. Das klassische Co-Working-Konzept greift für sie also zu kurz.

Genau hier setzen wir mit dem Angebot der Friendsfactory by etventure an: Wir wollen Startups nicht nur einen „fancy Workspace“ mit netten Leuten am Schreibtisch nebenan bieten, sondern konkretes Startup-Building und Mentoring. Denn man kann eben nicht automatisch davon ausgehen, dass – wie Harald Amelung schreibt – Co-Working-Spaces der ideale Arbeitsort sind, weil Startups dort Leute treffen, „die sie auf neue Ideen bringen und ihnen Tipps geben können.“ Hier entsteht meist eine „Zufalls-Community“ und mit ein paar gut gemeinten Tipps ist einem Early Stage-Startup nicht geholfen. Dafür braucht es schon tiefergreifende Expertise und Unterstützung.

Gleichzeitig wollen wir Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen in einem gemeinsamen Workspace befördern – ein weiterer Punkt auf den das klassische Co-Working-Angebot nicht ausgelegt ist. Auf diese Weise vereinen wir die Bedürfnisse von Startups mit dem Verständnis, das Corporates offenbar schon heute von „Co-Working-Spaces“ haben – auch wenn mit dem Begriff streng genommen eigentlich etwas anderes gemeint ist.

Unser Ziel ist es also, Unternehmern und Gründern den perfekten Arbeitsplatz anzubieten sowie mit der „guided community“ eine ideale Schnittstelle zu schaffen.

Zum Abschluss sei noch gesagt, es liegt uns fern, den nächsten Streit vom Zaun zu brechen. Die Co-Working-Szene wird sich weiterentwickeln, sie ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Angebot an den Kunden, mit dem sie sich mitbewegen muss, um relevant zu bleiben.

Wir freuen uns über die weitere Diskussion.

P.S.: Wer gerne etwas tiefer in die linguistische Debatte Coworking vs. Co-Working einsteigen will, dem sei dieser Artikel ans Herz gelegt.

Kommentare

  • Christopher Schmidhofer

    Ihr wollt also Business Center machen? Dann nennt es doch auch so.

    Auch klassische Coworking-Spaces bewegen sich in Richtung Corporates (wurde auf der Coworking-Konferenz in mehreren Sessions viel drüber geredet), aber da liegt sich er nicht unser Hauptfokus. Eure Bedarfsgruppe sucht kein Coworking, richtig. Dafür gibt es Business Center.
    Ihr erfindet hier neue Begrifflichkeiten um darüber hinweg zu täuschen, dass Ihr Business Center macht und meint. (Vll. meint Ihr auch Accelarators oder ähnliches, vll. nehmt Ihr aber auch nur möglichst viele HYPE-Themen auf…).

    Und damit erklärt sich dann auch eure (absichtlich?) herablassende Aussage. Ihr redet mit anderen Zielgruppen über andere Themen und verwendet dann HYPE-Begriffe um für Aufmerksamkeit zu sorgen.

    Zu eurer Umfrage, die Ihr behauptet, durchgeführt zu haben, gibts da irgendwo Ergebnisse und welche Profile Ihr gefragt habt (und wie die Fragen formuliert waren)?
    Ich hatte einige, die von vornherein eurer Erwartung entsprachen, die es dann aber doch ausprobiert haben. So eine Erfahrung kann Menschen ändern. Zum Beispiel zu begeisterten Coworkern machen, die inzwischen gelassener und erfolgreicher mit Ihrem Unternehmen sind. Ohne die Erfahrungen dahinter bringen eure Antworten halt nichts. Aber das wisst Ihr sicher (passt halt nicht ins Marketing).

    Die meisten wollen einen Arbeitsplatz zum effektiv sein und wohl fühlen. Das Mentoring ergibt sich untereinander, ebenso wie die Unterstützung. Was Ihr beschreibt, habe ich auch schon scheitern sehen: Ich gehe an keinen Arbeitsplatz, an dem ich was zahle und mir dann versucht wird, noch was (Mentoring) zu verkaufen, was ich gar nicht brauche. Und da hört auch der Coworking Begriff auf. Ihr mächt nämlich was anderes. Accelerator oder Business Center, vll. versucht Ihr das sogar zu mischen. Hat trotzdem nichts mit Coworking zu tun.

    Ihr seid damit nicht die ersten. Sicher auch nicht die letzten. Ich wünsche euch Erfolg und bitte euch, ab sofort die zu euch passenden Begriffe zu verwenden. Nicht die HYPE-Begriffe, um euch das Marketing gefühlt einfacher zu machen. Danke.

    • Doris Bärtle

      Hallo Christopher,

      danke für deinen Kommentar. Wir freuen uns, dass hier eine solche Diskussion entstanden ist, der wir uns auch nicht entziehen möchten.

      Zu deiner ersten Frage: Nein, wir machen kein Business-Center. Unser Ansatz geht deutlich darüber hinaus. Denn wir vermieten ja nicht einfach nur Büros, sondern bieten auch Startup-Building und Mentoring sowie Community Management an. Außerdem zielen wir darauf ab, Startups und Unternehmen zu vernetzen. Und auch hier hören wir nicht auf, wir begleiten und vermitteln beide Seiten bei der Entwicklung von konkreten Pilotprojekten (http://www.corporate-meets-startup.de/).

      Zu den Zielgruppenbefragungen: Diese qualitativen Befragungen sind ein genereller Bestandteil unserer Herangehensweise, wenn wir neue Geschäftsmodelle aufbauen. Denn es geht ja darum, zu verstehen, was der „Kunde“ will. Wir haben sowohl Startups als auch Freelancer und etablierte Unternehmen sowie Acceleratoren befragt. Und eines können wir Dir versichern, die sind nicht gelenkt oder suggestiv. Damit würden wir uns bei dem Aufbau eines Angebots ja selbst torpedieren.

      Damit bauen wir konkret keinen Co-Working-Space auf, sind aber eben auch kein Business Center.

      Viele Grüße
      Doris

    • Christopher Schmidhofer

      Genau, Ihr baut kein Coworking auf. Ihr macht nen Accelerator. Feindet aber Coworking an. Warum Ihr der Meinung seid, etwas ganz anderes angreifen zu müssen, kann nur mit Hype-Marketing erklärt werden. Das halte ich persönlich mindestens für schlechten Stil.

      Es zeigt aber, und das wurde ja nun schon ausführlich aufgezeigt und von euch auch bestätigt, dass Ihr Coworking nicht verstanden habt. Das ist ja nicht schlimm (haben nämlich leider viele nicht, da müssen wir noch besser in der Kommunikation werden). Ihr dürft das aber sicherlich im richtigen Coworking-Space mal ausprobieren (aber bitte nicht nur für eine Stunde). Vielleicht machts dann ja klick. 🙂

      Zumindest habe ich nun verstanden, was Ihr macht. Nichts neues. Aber etwas, an dem sicherlich noch Bedarf ist. Viel Erfolg dabei.

      Beim nächsten Artikel dann aber bitte über die Dinge reden, von denen Ihr was versteht. Dann haben alle was davon :). Wer weiß, vll. schicken wir euch dann sogar Leute, die gerade einen Accelerator brauchen. Und Ihr schickt uns Leute, die gerade ein Coworking brauchen. „Kooperation statt Konkurrenz“ ist nämlich unser Motto. Da sind wir idealistisch, und das schöne ist, es funktioniert.

      Probierts mal aus. Fühlt sich besser an als zu hetzen ;).

    • Doris Bärtle

      Ohne noch mal auf die einzelnen Punkte – um sie nicht Vorwürfe zu nennen – einzugehen. Wir haben das Angebot von Tobias Schwarz, die Debatte persönlich weiterzuführen, sehr gerne angenommen und wir freuen uns darauf. Wir schreiben hier nicht aus dem Tal der Ahnungslosen und ich glaube, es wird daher ein sehr spannender Austausch. Wir werden hier auf auf jeden Fall wieder berichten 😉

  • Christopher Schmidhofer

Empfohlene Beiträge


23. Juni 2017

Die W&W Digital gehört zu Deutschlands besten Innovationslaboren

Immer mehr Konzerne gründen Digilabs, Innovation Hubs oder Acceleratoren. Das Ziel: Neue zukunftsweisende Digitalideen und Geschäftsmodelle entwickeln und dem Unternehmen insgesamt mehr Gründergeist und Modernität einhauchen. Doch was taugen die Digitallabore tatsächlich? Um das herauszufinden, hat das Wirtschaftsmagazin Capital gemeinsam mit der Hamburger Managementberatung Infront Consulting eine umfangreiche Studie...


06. April 2017

Digitales Lean Management mit everlean

everlean ist das jüngste Startup im etventure-Portfolio und bietet eine digitale Lösung zur Unterstützung von Lean-Management-Aktivitäten. Die Idee dahinter: Die Mitarbeiter selbst sind die besten Experten für ihre Prozesse, denn sie sind tagtäglich damit konfrontiert und sehen Probleme und Optimierungspotenziale. Mit everlean können sie nun ihre Verbesserungsvorschläge einfach per...


16. März 2017

CSR-Bericht: Von der Kür zur Pflicht

Vergangene Woche hat der Deutsche Bundestag das „CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz“ verabschiedet. Damit sind ab dem kommenden Geschäftsjahr rund 550 Unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Das Problem: Viele Unternehmen sind noch immer nicht ausreichend darauf vorbereitet und arbeiten mit veralteten Tools. Dabei gibt es auf dem Markt mittlerweile...
zurück zur Übersicht