Von Digitalisierung und digitaler Transformation – Die wichtigsten Themen des Monats Oktober im Überblick

04. November 2016

Schon wieder ein Monat vorbei – Zeit, einen Blick zurück zu werfen: Was waren die Top-Themen rund um die Digitalisierung im Oktober? Dieses Mal geht es im Überblick um die notwendigen Investitionen an deutschen Schulen, um die junge Generation auf die digitale Zukunft vorzubereiten und die Frage, welche Art von Arbeitsplätzen zukünftig erhalten bleibt. Auch im vergangenen Monat ein wichtiges Thema: Die mangelnde Transparenz von Google und Facebook sowie der mangelnde Datenschutz von WhatsApp und Yahoo.

Digitalisierung: Mehr Gewinner als Verlierer (Wirtschaftswoche)

Mit der Frage, welche Berufe durch die digitale Transformation verschwinden oder neu entstehen, beschäftigt sich Harvard-Ökonom Martin Feldstein. In seiner Kolumne in der Wirtschaftswoche erklärt er, dass sich eine gleich bleibende Menge von Waren und Dienstleistungen in Zukunft von weniger Menschen herstellen lassen wird. Dies wird sich nicht nur in der Produktion bemerkbar machen, sondern auch in den Büros, in denen immer mehr Aufgaben von Computern erledigt werden.

Dennoch bleibt Feldstein optimistisch: „Es dürfte individuelle Verlierer des Wandels geben, aber vor allem individuelle Gewinner.“ Schon in den vergangenen Jahrzehnten kam es durch die zunehmende Automatisierung zu Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt. So ist die Zahl der industriellen Arbeitskräfte in den USA seit 1950 von 13 auf neun Millionen gesunken. Das hat aber nicht zu einer steigenden Arbeitslosenquote geführt – ganz im Gegenteil. Feldstein ist überzeugt, dass auch der digitale Wandel vor allem zu einer Verschiebung der Arbeitsplätze führen wird. Menschen, die in der Industrie oder in bestimmten Dienstleistungsbereichen keinen Arbeitsplatz mehr finden, werden in anderen Sektoren der Volkswirtschaft arbeiten. So wird beispielsweise der Arbeitskräftebedarf im Gesundheitssektor und der Alterspflege weiter wachsen.

Zudem seien junge Menschen heutzutage besser ausgebildet als die ältere Generationen und entsprechend besser gerüstet für Tätigkeiten, die nicht durch Computer und Roboter ersetzt werden können. Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung ist die abnehmende Arbeitszeit der Mitarbeiter: „Weniger Arbeitsstunden bedeuten ein angenehmeres Leben mit längeren Ferien und Wochenenden“. Damit ist auch eine Zunahme der Nachfrage für touristische und gastronomische Dienstleistungen verbunden und somit viele neue Arbeitsplätze in diesen Sektoren. Feldstein ist überzeugt:  Wird die digitale Transformation erfolgreich umgesetzt, kann sie für weniger Arbeitslosigkeit in der Zukunft sorgen.

Lehrerpräsident gegen Digitaltechnik – ein deutsches Trauerspiel (Gründerszene)

Entscheidende Voraussetzung dafür, dass die digitale Transformation Arbeitsplätze schafft statt vernichtet, ist die Qualifikation der Arbeitnehmer. Eine wesentliche Grundlage für digitale Kompetenzen muss bereits in Schule und Studium gelegt werden. Das ist nun auch endlich bei Bildungsministerin Johanna Wanka angekommen. Mit rund 5 Milliarden Euro will sie die Ausbildung von Schülern im Umgang mit digitalen Technologien fördern. „Wir müssen bei der digitalen Bildung einen großen Sprung nach vorne machen“, erklärt Wanka. „Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation ebenso wie das Lernen mittels der vielen neuen Möglichkeiten digitaler Medien“. Dieser Schritt ist längst überfällig: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung verfügt nur jede dritte Berufsschule über eine gute WLAN-Versorgung, 40 Prozent haben überhaupt kein WLAN. Neben der schlechten Infrastruktur mangelt es zudem an der Qualifikation der Lehrkräfte. Diesen fehle die Zeit, sich mit den neuen Lernmethoden auseinanderzusetzen.

Ganz anders sieht die Digitaloffensive hingegen der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. „Ich glaube nicht an die Segnungen der Digitalisierung von Unterricht, die man uns immer versucht einzureden. Unsere 40.000 Schulen mit schnellem Internet auszustatten, bringt keinerlei Fortschritt für den Unterricht. Wir brauchen keine Laptop-Klassen!“, erklärte er im Interview mit der Passauer Neuen Presse. Eine Aussage, mit der Kraus allzu deutlich zeigt, wie wenig er die Zusammenhänge und Auswirkungen der Digitalisierung begreift. Ein ähnlich vernichtendes Fazit zieht auch Frank Schmiechen, Chefredakteur von Gründerszene: „Eins steht fest: Von Josef Kraus werden neue Impulse für die Bildung, die für unser Land in den kommenden Jahrzehnten überlebenswichtig sein wird, garantiert nicht kommen. Und unsere Kinder werden uns fragen, warum wir uns nicht leidenschaftlicher für ihre digitale Bildung eingesetzt haben, wenn es auf dem globalen Jobmarkt der Zukunft schlecht für sie aussieht.“

Merkel fordert mehr Transparenz von Google und Facebook (FAZ)

Bundeskanzlerin Merkel hat bei den Münchner Medientagen gefordert, dass die großen Internetplattformen wie Facebook und Google transparenter im Hinblick auf ihre Algorithmen und Mechanismen werden müssen. Sie kritisiert, dass Nutzer in sozialen Medien nur noch das lesen, was ihr bestehendes Meinungsbild bestätigt. “Dies bedrohe die für die Demokratie unerlässliche Fähigkeit, sich auch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.“ Aufgrund ihrer Marktmacht entwickelten sich die großen Plattform zudem „zum Nadelöhr für die Vielfalt der Anbieter“, was mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen für andere Medien verbunden ist. Zudem verdrängen die Internetkonzerne immer mehr den Anteil der Zeitungen und Zeitschriften am Werbemarkt. „Spätestens nächstes oder übernächstes Jahr werden die Nettowerbeerlöse von Publikumszeitschriften unter die Eine-Milliarde-Euro-Grenze gefallen sein.“, sagt Welte, Vorstand der Hubert Burda Media, und forderte eine stärkere Zusammenarbeit der Verlage im Hinblick auf die Digitalisierung des Angebots.

Während Facebook und Google vor allem für ihre Intransparenz oder – vor allem im Fall von Facebook – für ihren Umgang mit Hasskommentaren kritisiert werden, stehen WhatsApp und Yahoo derzeit im Fokus der Datenschützer. Die sogenannte Artikel-29-Datenschutzgruppe „kritisiert WhatsApp für den Datenaustausch mit Facebook sowie Yahoo für sein Verhalten beim jüngsten Datenklau und Meldungen zur Kooperation mit Geheimdiensten.“ Die CEOs beider Konzerne erhielten dafür blaue Briefe von den europäischen Datenschutzbeauftragten aus Brüssel. So fordern die Datenschützer von WhatsApp, die Übertragung von Nutzerdaten an Facebook zu unterlassen, bis die Änderungen an den WhatsApp-AGB überprüft sind. Vor allem die reine Opt-out-Option widerspriche dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Yahoo wiederum wird dazu aufgefordert, den Datenklau, bei dem 2014 Login-Daten von mehr als 500 Millionen Nutzer-Accounts gestohlen worden waren, aufzuklären, ebenso wie die Zusammenarbeit mit der NSA.

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