Von Digitalisierung und digitaler Transformation – Die wichtigsten Themen des Monats Mai im Überblick

03. Juni 2016

Wie jeden Monat geben wir in unserer Rubrik „Von Digitalisierung und digitaler Transformation“ einen Überblick über die Top-Themen der Medien zu den Bereichen Digitalwirtschaft und Digitale Transformation. Dieses Mal mit dabei: Die Digitalisierungs-Debatte zwischen Skeptikern und Visionären, der digitale Wandel im Fokus der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg, Anforderungen an einen „digitalen CEO“ und wie die neuen Technologien inzwischen auch im Handwerk angekommen sind.

Digitaler Wandel: Kampf der Skeptiker gegen Visionäre (Süddeutsche Zeitung)

Wohin führt uns die Digitalisierung? Welche guten und schlechten Seiten bringen neue Technologien mit sich? Konkrete Antworten oder verlässliche Vorhersagen über die digitale Revolution in einer dynamischen Wirtschaft sind kaum möglich. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb, wird über die Licht- und Schattenseiten der Digitalisierung mitunter heftig gestritten. Der SZ-Journalist Johannes Kuhn hat sich in einem Essay mit der derzeitigen Debatte auseinandergesetzt. Er kritisiert: In Deutschland fehlt es „nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt an analytischer Tiefe und auch an Offenheit, andere Positionen zuzulassen.“ Denn soziale und wirtschaftliche Konzepte und Zusammenhänge bleiben bei der Diskussion um Innovationen bisher außen vor. Stattdessen werde die Digitalisierung als „Naturgewalt“ des 21. Jahrhunderts betrachtet, die hinter allen Veränderungen zu stehen scheint. Kuhn fordert eine ideologiefreie Debatte über die Digitalisierung, an der auch breitere Bevölkerungsschichten teilnehmen können und sollen. Dazu müssten Bildungs-, Forschungs- und Informationsinitiativen genutzt werden, um das Verständnis für das Thema zu erhöhen und damit der Digitalisierung eine vollkommen neue Sichtweise geben zu können.

Denn wir neigen gern und oft dazu, die falschen Fragen zu stellen. In der Debatte gehe es nicht um die Frage: „Hältst du das Internet für gut oder schlecht? Sondern darum: Wie sollte unsere Gesellschaft aussehen, wenn wir die Digitalisierung als unumkehrbar akzeptieren?“

Kabinettsklausur: Regierung will umfassende Digitalisierung voranbringen (Die Welt)

Auch bei der zweitägigen Klausurtagung der Regierung auf Schloss Meseberg vergangene Woche stand das Thema Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Und auch hier wurde über ethische Fragen und Risiken neuer Technologien debattiert. Dazu betonte Innenminister Thomas de Maiziére: „Bei der Digitalisierung sollten nicht immer die Risiken, sondern die Chancen im Vordergrund stehen. […] Von Anfang an müssten Sicherheit und Verbrauchernutzen gleichberechtigt bei digitalen Angeboten berücksichtigt werden.“

Bei der zweitätigen Kabinettsklausur war auch der estnische Ministerpräsident Taavi Rõivas vor Ort. Estland ist einer der Vorreiter im Bereich der digitalen Verwaltung und gilt als besonders gründerfreundlich. Zudem berichtete EU-Digitalkommissar Günther Oettinger von den digitalen „Herausforderungen Europas im internationalen Vergleich.“ Im Fokus der Gespräche stand außerdem die Frage, wie die Politik mit dem digitalen Wandel der Arbeitswelt umgehen solle. Hierzu plant Arbeitsministerin Andrea Nahles, im Herbst Vorschläge zur „Arbeitswelt 4.0“ vorzulegen. Auch der Netzausbau und die Auswirkungen der Digitalisierung auf wichtige Branchen, allen voran die Automobilindustrie, wurden diskutiert. „Wir brauchen in der Digitalpolitik noch mehr Tempo“, forderte Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom im Vorfeld der Klausurtagung. Dabei stünden Leitbranchen wie Auto- und Maschinenbau, Chemie oder Pharma im Vordergrund.

Wie digital muss ein CEO sein? Ohne Kulturwandel droht das digitale Abseits (manager magazin)

„Man lernt niemals aus“, heißt es. Auch CEOs sollten vor dieser Aussage nicht haltmachen. Denn vor allem die Digitalisierung erfordert Führungsstärke und Vision. Die Aufgabe des CEOs ist es, das Unternehmen „über eine digitale Transformation in eine neue Existenz“ zu überführen, so ein aktueller Artikel des manager magazins. Dazu müssen CEOs aber für sich neue Bereiche erschließen, die nicht zu ihrem Kompetenzfeld gehören. „Die Angst vor einem Gesichtsverlust oder Scheitern auf unbekanntem Terrain führt in vielen Fällen dazu, dass statt Wandel Opposition gemacht wird.“ Das bestätigt auch die aktuelle Deutschlandstudie von etventure mit Unterstützung der GfK Nürnberg: 40 Prozent der Führungskräfte scheuen vor notwendigen radikalen Entscheidungen zurück und bei weniger als 50 Prozent steuern die Vorstände oder Geschäftsführer selbst digitale Veränderungsprozesse.

Im Hinblick auf die digitale Revolution ist es an der Zeit, für Führungskräfte umzudenken, Hierarchien aufzubrechen und einen Kulturwandel einzuleiten. Lernen und gelegentliches Scheitern müsse belohnt, Verharren und Auflehnen gegen Neues geahndet werden. Auch ein generelles Verständnis für die Digitalisierung sei notwendig. Das kann auch mal heißen, dass der CEO als Hospitant in Startups oder Digitalunternehmen geht, wie dies beispielsweise der Vorstandsvorsitzende des Stahlhändlers Klöckner & Co, Gisbert Rühl, getan hat. „Durch das Lösen von Statussymbolen und das Brechen mit Traditionen und das Öffnen von Kommunikation über alle Ebenen wird der Wandel möglich und eine Veränderung herbeigeführt.“

Aber ein Tablet kann doch keine Fliesen verlegen! (Die Welt)

Computergesteuerte Maschinen statt Säge, Hobel und Stechbeitel. Digitale Lieferscheine, Abrechnungen, Storno- und Stundenzettel, statt volle Aktenschränke: Die Digitalisierung hat inzwischen auch das Handwerk erreicht. Bei zahlreichen Handwerksbetrieben ist diese Erkenntnis aber noch nicht angekommen. „Denn noch immer denken viele Fliesenleger, Bäcker oder Tischler: Digitalisierung, das mag zwar Folgen für Zeitungen, Plattenlabels und die deutsche Industrie haben. Aber ein Tablet kann doch keine Fliesen verlegen, eine Fräsmaschine backt keine Brötchen, und ein 3-D-Drucker tapeziert keine Wände.“ Dabei entdecken schon jetzt branchenfremde Großunternehmen, dass sie dank der Digitalisierung am Handwerk mitverdienen können. Auch Großanbieter wie Amazon oder Startups fungieren inzwischen als Schnittstelle zum Endkunden.

Laut Walter Pirk vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik liegt das Problem vor allem in der mangelnden Größe der Unternehmen. „Mit durchschnittlich 5,3 Beschäftigten haben viele Betriebe keine Zeit für Strategieentwicklung und für abstrakte Begriffe wie Digitalisierung.“ Auch fachkundige Beratung in diesem Bereich ist bislang rar. Hans Jörg Hennecke vom Westdeutschen Handwerkskammertag empfiehlt deshalb die Lösung einer Zweckgemeinschaft: Genossenschaften, Franchise-Modelle oder Kooperationen. Das Thema Digitalisierung kann so an Experten weitergegeben werden, die Betriebe können sich weiter um das Kerngeschäft kümmern.

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