Von Digitalisierung und digitaler Transformation – Die wichtigsten Themen des Monats März im Überblick

01. April 2016

Wie jeden Monat geben wir einen Überblick über die Top-Themen der Medien zu den Bereichen Digitalwirtschaft und digitale Transformation. Zentrale Themen sind dieses Mal: Automatisiertes Fahren in der Eisenbahnindustrie, der Bitkom-Chef kritisiert die mangelnde digitale Transformation in Unternehmen, CSU und SPD ziehen an einem Strang bei der Digitalisierung und Estland als Vorreiter für eine digitale Verwaltung. Dreh- und Angelpunkt für die Digitalisierung war im März auch die CeBIT, die dieses Jahr erstmalig unter dem Motto d!conomy stand und die sich damit vom Image einer reinen Computermesse lösen will.

Bahn-Chef Grube zur Digitalisierung: „Unsere App ist die erfolgreichste in ganz Europa“ (Handelsblatt)

Das Thema Autonomes Fahren treibt nicht nur die Automobilindustrie um. Auch in der Eisenbahnindustrie wird am Fortschritt des automatisierten Fahrens gearbeitet, wie Bahn-Chef Rüdiger Grube jüngst im Interview mit dem Handelsblatt auf der CeBIT in Hannover versprach. Was die Digitalisierung betrifft, sieht Grube die Deutsche Bahn als Benchmark-Unternehmen. „Wir investieren jeden Tag große Summen in die Digitalisierung. Wir haben heute vier Labs und über 260 Digitalisierungsprojekte. Und es werden jeden Tag mehr“, erklärt Grube dem Handelsblatt. Die Kernthemen seien Mobilität, Infrastruktur, Logistik, Arbeitswelt und Produktion.

Solche Ankündigungen wie das automatisierte Fahren auf der Schiene, lösen – wie auch in anderen Branchen, wenn es um Digitalisierung und Arbeitsplätze geht – Widerstände bei Mitarbeitern aus. „Verständlicherweise machen sich die Lokführer Sorgen um ihren Arbeitsplatz“, sagt auch Grube. Das sei jedoch vollkommen unbegründet: „Der Lokführer der Zukunft wird auch Qualifikationen eines Fahrdienstleiters mitbringen müssen. Er hat eine extrem komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe. Wir brauchen eher nicht weniger Lokführer, wir brauchen mehr.“ Letztlich sieht auch Grube keine Alternative zur Digitalisierung: „Sie werden heute nicht mehr als zeitgemäßes Unternehmen wahrgenommen, wenn sie in der Digitalisierung nicht zu Hause sind.“

CeBIT: Bitkom fordert schnellere Digitalisierung (Spiegel Online)

Digitales Zeitalter. Digitale Revolution. Digitale Welt. Drei Beschreibungen, eine Bedeutung: Der digitale Wandel steht nicht vor der Tür, wir stecken mittendrin. Umso erstaunlicher, dass der Digitalisierungsprozess in vielen Unternehmen immer noch am Anfang steht. Bernhard Rohleder schlägt daher Alarm. Der Hauptgeschäftsführer der Bitkom kritisiert die mangelnde Digitalisierung in Unternehmen. Das fängt schon bei der Kommunikation an: Laut einer Umfrage von Bitkom würden noch immer 79 Prozent der deutschen Firmen häufig oder sehr häufig per Fax kommunizieren. Manager wüssten zwar, dass die Digitalisierung wichtig für ihr Unternehmen sei, jedoch nicht wie diese umgesetzt werden kann. Dabei ist der Mangel an Fachkräften mit der notwendigen Technik- und Digitalkompetenz wohl „mit das dickste Brett, das wir in Zukunft zu bohren haben“, so Rohleder.

Die Einschätzung des Bitkom-Geschäftsführers wird auch durch die Deutschlandstudie bestätigt, die etventure  vor Kurzem mit Unterstützung der GfK Nürnberg durchgeführt hat. Die kürzlich gegründete Unternehmer-Schmiede, ein Joint Venture von etventure und der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum, setzt am Pain Point der fehlenden Fachkräfte für die Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben an. Denn da Kandidaten mit den dafür notwendigen Kompetenzen am Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, werden diese von der Unternehmer-Schmiede durch gezieltes Coaching zu „Digital Entrepreneurs“ weiterentwickelt.

Dobrindt bekennt sich zu offenem Internet für alle (FAZ) / Gabriels Digitalisierungsbefehl ist realitätsfremd (Wirtschaftswoche)

Dass nicht nur die deutschen Unternehmen, sondern auch Politik und Verwaltung Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung haben, ist hinlänglich bekannt. Nun forderte auch Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Wir brauchen ein offenes W-Lan mit einfachem Zugang für jedermann.“ Mit diesem Statement kritisiert Dobrindt nicht nur die umstrittene Störerhaftung, die hierzulande noch immer die Anbieter freier Netze in die Haftung nimmt, sondern schlägt sich gleichzeitig auf die Seite der SPD. Ebenso müsse der Breitbandausbau in Deutschland künftig noch forciert werden.

Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich jüngst zum Thema geäußert. Mithilfe eines milliardenschweren Zehn-Punkte-Plans wolle die Bundesregierung Deutschland zum modernsten Industriestandort weltweit machen, verkündete Gabriel auf der CeBIT. Wiwo-Redakteurin Kerstin Dämon hat eine klare Meinung zu dieser Zielsetzung. „Gabriels Digitalisierungsbefehl ist realitätsfremd“ titelt sie in ihrem Kommentar und macht deutlich: „Es braucht einen Kulturwandel“. Denn auch wenn die notwendige Infrastruktur vorhanden ist, Digitalisierung erfordert von Unternehmen ein neues Denken und eine völlig andere Herangehensweise an Probleme. Statt typisch deutschem Perfektionismus und klaren Strukturen, sind zukünftig Flexibilität und Agilität gefragt. „Und solange das nicht in den Köpfen angekommen ist, kann der Bundeswirtschaftsminister die Digitalisierung befehlen, so viel er will.“

Die Digitalisierung der Verwaltung: Vom Online-Formular zu staatlichem Big Data? (Netzpolitik.org)

Digitalisierung soll nicht nur das Arbeiten, sondern auch unseren Alltag erleichtern. Eine Steuererklärung online in 5 Minuten erledigen? Wer wünscht sich das nicht. Dass dies heute möglich ist, beweist uns Estland (mehr dazu auch in unserem Blog-Beitrag „Herausforderungen meistern, Chancen nutzen“). Das nordöstlichste Land des Baltikums macht gerade als „e-Stonia“ von sich reden. So müssten estnische Bürger ihre Daten nur ein einziges Mal übermittel. Diese werden dann zwischen den Behörden auf digitalem Weg ausgetauscht. All dies laufe in Estland – nicht ganz zu unrecht – unter dem Schlagwort „Serviceorientierung“ – „der steuerzahlende Bürger verlangt als ‚Kunde’ staatlicher Behörden eine Anpassung an die internetbasierte Lebensrealität.“

Dem Beispiel will Deutschland nun auch folgen: Hierzulande sollen zukünftig Aktenführung, Kommunikation und Bezahlung digital erfolgen, was Bundestag und Bundesrat bereits 2013 in einem E-Government-Gesetz festgehalten haben. „Aber auch die Kehrseite der Big-Data-Medaille sei betrachtet“. Digitalisierte Verwaltung bedeutet auch mehr Daten für den Staat. Klar ist: Mit der zunehmenden Digitalisierung wachsen die Herausforderungen für IT-Sicherheit und persönliche Anonymität. „Die gesetzlichen Vorgaben für die Digitalisierung des Staates in Deutschland sind dahingehend klar: Effizienz und Bürokratieerleichterungen sind wünschenswert, aber Datenschutz und Privatsphäre haben Verfassungsrang.“

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