Von Digitalisierung und digitaler Transformation – Die wichtigsten Themen des Monats Januar im Überblick

29. Januar 2016

Wie üblich werfen wir am Ende des Monats einen Blick auf die wichtigsten Neuigkeiten und Entwicklungen rund um das Thema Digitalisierung. Dieses Mal mit dabei: eine aktuelle Studie zum Gründerland Deutschland, Thesen zur dritten industriellen Revolution und die (vermeintlichen) Schattenseiten der digitalen Transformation.

Deutschland ist das beste Gründerland der Welt (Gründerszene)

Zugegeben, diese Nachricht von Gründerszene kam dann doch etwas überraschend. Schließlich wurde oft genug von mangelndem Innovationsdenken und Gründermentalität in Deutschland gesprochen. Der Global Entrepreneurship Monitor stufte Deutschland 2014 noch als zwölftschlechtestes Gründerland der Welt ein. Eine Studie von Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report in Kooperation mit der Wharton Business School und der Marken-Beratung BAV kam jetzt zu einem ganz anderen Ergebnis. Demnach ist Deutschland nicht nur das „beste Land der Welt“, sondern auch das gründerfreundlichste. Die Spitzenplatzierung verdankt die Bundesrepublik laut den Autoren vor allem ihren klaren, rechtlichen Rahmenbedingungen und der guten Infrastruktur. Auch das Bildungsniveau und die Qualifizierung der Arbeitskräfte erhielten Bestnoten. Abzüge gab es bei Innovation, Zugang zu Kapital und der Transparenz von Geschäftspraktiken.

Die dritte industrielle Revolution – Zukunftsökonom Rifkin: „Die USA werden in Zukunft nicht mithalten können“ (Focus Online)

Die Menschheit steht aufgrund der Digitalisierung vor bahnbrechenden Veränderungen. Das prognostiziert der US-Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin im Interview mit Focus Online. Schrumpfende Wachstumsraten der Wirtschaft, zunehmende Ungleichheit in der Bevölkerung und vor allem der Klimawandel zwingen uns zu einem Kurswechsel. Die Wirtschaft müsse neu erfunden werden, so Rifkin. Ein wesentlicher Faktor hierbei sei die Digitalisierung. Denn durch sie könnten die Produktivität erhöht und gleichzeitig Ressourcen geschont werden. Eine industrielle Revolution wird laut Rifkin von drei Faktoren bedingt: „Neue Kommunikationswege, um die Wirtschaft zu managen, Zugang zu neuen Energiequellen, die die Wirtschaft nutzen kann und neue Wege der Mobilität, um die erzeugten Güter zu transportieren.“ Was für die erste industrielle Revolution die Dampfmaschine und für die zweite Revolution die Elektrizität war, werde nun die Digitalisierung sein. Durch das Internet der Dinge könnten alle Arten von Geräten miteinander verbunden werden und so die wirtschaftliche Aktivität besser gemanaged werden. Außerdem würden durch die Installation dieser „Infrastruktur der Zukunft“ Millionen von Jobs geschaffen. Deutschland sei durch die Energiewende hier auf einem guten Weg, die USA hätten durch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hingegen bereits den Anschluss verloren.

Millionen Jobs fallen weg (Frankfurter Allgemeine Zeitung) 

Deutlich weniger optimistisch sieht eine aktuelle Studie die mittelfristigen Folgen der Digitalisierung. Laut einer Untersuchung, die vergangene Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wurde, werden durch die Digitalisierung und den Einsatz von Robotern in den nächsten fünf Jahren bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze in den Industrieländern wegfallen. Betroffen seien vor allem Büro- und Verwaltungsangestellte, die sogenannten White Collars, während die Automatisierung in der Industrie bereits sehr weit fortgeschritten ist. „Deutschland ist laut der Studie stärker vom Wandel betroffen als andere Staaten in Europa. Und ausgerechnet Frauen sind sehr viel mehr bedroht vom Verlust des Arbeitsplatzes als Männer.“ Denn vor allem Berufe im MINT-Bereich, die noch immer einen geringen Frauenanteil aufweisen, sind im Vorteil, während Stellen im Gesundheitssektor, in der Energie- und Finanzwirtschaft besonders gefährdet sind.

Klar ist, dass die Digitalisierung zu einem Wandel auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Dennoch sollte man sich der allgemeinen Weltuntergangsstimmung, die etablierte Medien dieser Tage verbreiten, nicht undifferenziert anschließen, meint Alain Veuve, Kolumnist von t3n. Er spricht vom „Geschäft mit der Panikmache“ und macht deutlich: „Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass der technologische Fortschritt mittelfristig mehr Arbeit schafft.“ Statt Angst, sei eher Aufbruchstimmung angebracht, so Veuve. „Wir müssen uns keine Sorgen, sondern an die Arbeit machen!“.

Erst denken, dann klicken (Zeit Online)

Entsprechend wichtig ist es, dass sich die Veränderungen der digitalisierten Arbeitswelt auch in der Aus- und Weiterbildung widerspiegeln. Denn in Zukunft werden andere Kompetenzen verlangt. Der Informatiker Arno Rolf meint hierzu im Gespräch mit Zeit Online: „Es reicht nicht aus, dass Schüler eine Programmiersprache lernen. Sie müssen verstehen, wie die Arbeitswelt der digitalen Gesellschaft funktioniert.“ Er bemängelt, dass Informatik sowohl an Schulen als auch an Universitäten von den damit zusammenhängenden ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen abgekoppelt werde. Denn ein Verständnis für die Strukturen und Prozesse der Digitalisierung ist essentiell. So werde es in Zukunft zwei Gruppen von Beschäftigten geben – „die einen, die dem Computer sagen, was er machen soll, und den anderen sagt der Computer, was sie machen sollen. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass nur Qualifizierung und Bildung beruflichen Erfolg sichern kann.“

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