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Philipp Depiereux beim SZ-Wirtschaftsgipfel:
„Wir müssen anfangen, und zwar jetzt!“

21. November 2016

„Wir müssen jetzt starten mit der Digitalisierung. Und zwar mit der vollen Rückendeckung des CEO.“ Mit diesem eindringlichen Appell richtete sich etventure Gründer und Geschäftsführer Philipp Depiereux an die Teilnehmer des SZ-Wirtschaftsgipfels in Berlin. Am heutigen zweiten Tag des Kongresses diskutierte er im Panel über die Digitale Transformation in Unternehmen und die Frage, wie Mitarbeiter bei diesem Wandel mitgenommen werden können.

Wie findet man das richtige digitale Geschäftsmodell?

SZ-WirtschaftsgipfelWie findet man das richtige (digitale) Geschäftsmodell und wie fördert man Innovationskraft und Veränderungswillen im Unternehmen? Diese Fragen standen im Zentrum einer lebhaften Diskussion, die sich zwischen Philipp Depiereux und den Vertretern der „Old Economy“ Janina Kugel, Personalvorstand der Siemens AG, Hermann J. Merkens, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank, und Margret Suckale, Mitglied des Vorstands von BASF, entspann. „Die Digitalisierung kann man nicht delegieren, sie muss vom CEO gelebt und vorangetrieben werden. Anders funktioniert es nicht. Denn die Mitarbeiter scheuen Veränderungen“, so Depiereux. Das sah auch Janina Kugel so: „Meistens gibt es in Organisationen eine Abwehr gegen Dinge, die man nicht kennt. Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum Unternehmen Trends mitunter verschlafen.“

Margret Suckale berichtete hierzu aus der BASF-Welt: „Natürlich ist die Digitalisierung wichtig, aber es gibt bei uns auch Kundenbereiche, wo „Digital“ nicht der Schwerpunkt ist.“ Die zentrale Herausforderung sei es, herauszufinden, wo der Pain Point des Kunden liegt, erklärte Suckale und unterstrich damit auch einen der absoluten Erfolgsfaktoren der Digitalen Transformation: Nur das tun, was dem Kunden auch tatsächlich einen Nutzen stiftet.

Startup meets Corporate oder Startup vs. Corporate

SZ-WirtschaftsgipfelUneins waren sich die Panel-Teilnehmer dagegen, wie man den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle konkret angehen sollte. Philipp Depiereux plädierte dafür, die Digitalinnovation zunächst  aus der Kernorganisation herauszunehmen. Denn frei von den Strukturen und Prozessen können im „geschützten Raum“ mit agilen Startup-Methoden innerhalb kürzester Zeit erste Prototypen entwickelt werden. „Von zehn Ideen, die dort entstehen, bewähren sich vielleicht eine oder zwei“, so Depiereux. „Aber das, was funktioniert, können wir dann ins Unternehmen zurückbringen. Da müssen wir die Mitarbeiter auch nicht mit Powerpoint-Charts überzeugen, sondern wir haben echte Daten, die den Erfolg der Idee belegen.“

Eine Vorgehensweise, die sich zwar bei anderen Unternehmen der „Old Economy“ wie etwa Köckner & Co. oder der Wüstenrot & Württembergischen bereits bewährt hat. Vor allem den Vertreterinnen von Siemens und BASF ist diese Startup-Methodik aber offenbar zu radikal. So wies Margret Suckale darauf hin, dass ein solches Vorgehen in einem Großkonzern wie BASF nicht möglich sei. Auch Janina Kugel betonte, dass Mitarbeiter auch in einem graduellen Wandel von der Notwendigkeit der Digitalisierung überzeugt werden können. Gleichzeitig betonte sie, dass etablierte Unternehmen viel von Startups lernen könnten und nicht so sehr die Konkurrenz zwischen diesen beiden Welten im Vordergrund stehen sollte, sondern vielmehr die Möglichkeit zu Austausch und Zusammenarbeit.

Neue Berufsbilder, neue Anforderungen

Wird es durch die Digitalisierung zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen kommen? Auch diese Frage wurde von vier Panelteilnehmern diskutiert. Hermann J. Merkens meinte hierzu: „Es wird natürlich zur Personalveränderungen kommen, sowohl was die Anforderungsprofile angeht als auch beim Abbau von Arbeitsplätzen. Wichtig ist es, dass die Unternehmen fair und transparent darüber informieren und Mitarbeiter frühzeitig vorbereiten.“ Das generelle Problem hierbei sei, so Margret Suckale, dass die Digitalisierung als Angstthema stigmatisiert werde. „Natürlich wird es einige geben, die nicht mithalten können. Aber eine Veränderung von Berufsbildern gab es auch früher schon.“ Auch hier war es Philipp Depiereux, der den Finger in die Wunde legte: „Wir müssen uns klar machen, dass es bestimmte Berufe bald schlicht nicht mehr geben wird, egal ob es der Versicherungsvertreter ist oder der Industriearbeiter am Band.“

Gleichzeitig werden Mitarbeiter mit neuen Qualifikationen gebraucht, unternehmerisch denkende Menschen mit digitalem Know-how. Fachkräfte, die rar gesät sind. „Auch wir bei Siemens kämpfen mit diesem Problem“, erklärte Janina Kugel. „Der demographische Wandel wird uns treffen. Wir haben eigene Weiterentwicklungsprogramme, aber die reichen noch nicht aus. Es wird immer mehr darum gehen, auch im Beruf weiterzulernen.“

Die gesamte Paneldiskussion gibt es hier auch als Mitschnitt in Deutsch und Englisch.

Hochkarätige Speaker aus Wirtschaft und Politik

SZ-WirtschaftsgipfelDie Themen Bildung und Digitalisierung waren bereits zuvor auf der Tagesordnung. So plädierte unter anderem Telekom-Chef Timotheus Höttges für mehr digitale Bildung in den Schulen. Zugleich merkte Höttges an, dass Deutschland zwar bei der Digitalisierung aufhole, insbesondere im Bereich Industrie 4.0. Dennoch ruhten sich noch zu viele Unternehmen auf ihrem Erfolg aus: „Volle Auftragsbücher sind die größte Gefahr für uns in Deutschland“. Im Gespräch mit Karl-Theodor zu Guttenberg stand die Politik im Vordergrund, vor allem die Folgen der US-Wahl. Der frühere Bundesverteidigungsminister nahm dabei kein Blatt vor den Mund: „Trump ist ein eitler, pöbelnder Prolet“, so zu Guttenberg. Im „Kreuzverhör“ mit Bundesfinanzminister Schäuble plädierte dieser für ein starkes, geeintes Europa, um sich gegen den Trend zum Populismus und zum Rückzug ins Nationale zu behaupten. Am morgigen dritten und letzten Kongresstag wird dann unter anderem EU-Kommissar Günther Oettinger als Speaker auftreten.

etventure präsentiert sich mit eigener Lounge und Kaffeebar

SZ-WirtschaftsgipfelAbseits vom Podium präsentierte sich etventure beim SZ-Wirtschaftsgipfel auch mit einer eigenen Lounge und Kaffeebar im Foyer des Hotel Adlon. Neben Philipp Depiereux waren auch zahlreiche weitere Digitalexperten aus dem Managementkreis von etventure vor Ort und tauschten sich mit den Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik aus.

Her mit den frischen Ideen

Im Nachgang zum SZ-Gipfel veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung zudem einen Beitrag, der sich ausführlich mit der Herangehensweise von etventure bei der Digitalisierung beschäftigt und die Zusammenarbeit der Digitalberatung mit dem Family-Equity-Unternehmen Haniel innerhalb der Digitaleinheit „Schacht One“ beleuchtet. Unter dem Titel „Her mit den frischen Ideen“ zeigt SZ-Redakteurin Varinia Bernau auf, was es bedeutet Startup-Denke in ein Traditionsunternehmen zu bringen: „Das Familienunternehmen Haniel hat sich eine solche Frischenzellenkur verschrieben. Dort, wo Franz Haniel vor mehr als 150 Jahren die Kohle aus der Erde holte und so die Industrialisierung des Ruhrgebiets ermöglichte, soll nun der Treibstoff für die digitale Revolution gefördert werden […] Hier entstehen, mit der Hilfe von etventure, Ideen für verschiedene Unternehmen, an denen Haniel beteiligt ist und damit jährlich 3,8 Milliarden Euro umsetzt.“

Wie etwa eine Idee, die für das Haniel-Beteiligungsunternehmen Boco entwickelt wurde: „ein Terminal, bei dem die Kunden den auf ihrer Kleidung angebrachten QR-Code einscannen können, um Schäden zur Reparatur zu melden. Innerhalb eines Tages haben sie den Bildschirm eines solchen Terminals auf einem Tablet nachempfunden – und sind damit wieder raus zu den Kunden. […] Mit dem Terminal wird es einfacher, die kaputte Kleidung zur Reparatur einzuschicken. Das ist das Versprechen, das Boco nun seinen Kunden geben kann. Zugleich aber knüpft das Unternehmen so erstmals einen direkten Draht zu demjenigen, der sich täglich diese Kleidung überstreift. Und genau das ist es, was ein Start-up erst erfolgreich macht: Es ist nah am Nutzer, lernt seine Bedürfnisse noch besser kennen – und entwickelt neue Ideen, mit deren Hilfe sich Bedürfnisse noch besser bedienen lassen. Ideen, auf die man allein am Schreibtisch gar nicht gekommen wäre. 18 Wochen hat es gedauert von den ersten Interviews mit Kunden bis zum Entwurf des Terminals. In der Zeitrechnung von Konzernen, in der jeder Schritt über viele Hierarchiestufen abgestimmt werden muss, ist das ein enormes Tempo.“

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.

Die Stimmen zum SZ-Wirtschaftsgipfel hier auch nochmal im Imagevideo:

Der SZ Wirtschaftsgipfel from Süddeutsche Zeitung on Vimeo.

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