Herausforderungen meistern, Chancen nutzen – etventure beim Jahresempfang des BVMW

16. Februar 2016

Am gestrigen Montag fand der Jahresempfang des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Berlin statt. Mehr als 3.000 Unternehmer sowie Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur diskutierten unter dem Motto „Herausforderungen meistern, Chancen nutzen“ über die Zukunft des Mittelstands. Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von etventure, war als Ehrengast geladen.

Wer über die Zukunft der Wirtschaft und deren Rahmenbedingungen diskutiert, kommt am Thema Digitalisierung nicht vorbei. Das konnte man bereits anhand der Rednerliste beim Jahresempfang des BVMW erkennen. Als Speaker traten unter anderem der estnische Ministerpräsident Taavi Rõivas, derzeit Europas jüngster Regierungschef und ein Vorreiter im Bereich Digitalisierung, und der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, ans Rednerpult. Weitere Keynotes lieferten Mittelstandspräsident Mario Ohoven, Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen.

Lieber Schlaglöcher als Funklöcher

„Wir leben in einer digitalen Revolution“, machte Günther Oettinger in seiner Rede deutlich. Denn die Digitalisierung betrifft nicht nur einzelne Industrien, sondern sämtliche Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. Entsprechend sollte man auch nicht von Industrie 4.0 sprechen, sondern von Wirtschaft 4.0 und Gesellschaft 4.0, so Oettinger. Um sich auf die digitale Zukunft einzustellen, brauche es einen Ruck in den deutschen Unternehmen. Denn digitales Know-how wird zukünftig zum erfolgskritischen Faktor. „Wer glaubt, dass er ohne digitale Kompetenz in die Zukunft gehen kann, wird keine Zukunft haben“. Aber auch die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung müssten stimmen, Stichwort Breitbandausbau. Dazu stellte Oettinger klar: „Lieber sollte man Schlaglöcher als Funklöcher akzeptieren.“

Zum eigenen Unternehmen in 18 Minuten

Wie zukunftsorientierte Politik und Verwaltung aussehen können, zeigte der estnische Ministerpräsident Taavi Rõivas eindrucksvoll auf. Während Jungunternehmer in Deutschland nach wie vor zahlreiche bürokratische Hürden überwinden müssen, gelingt die Gründung in Estland online – innerhalb von 18 Minuten. 96 Prozent der Esten reichen ihre Steuererklärung inzwischen digital ein. Das dauert laut Rõivas gerade einmal fünf Minuten, die Bearbeitung in der Behörde ist spätestens eine Woche danach abgeschlossen. Auch Wählen ist online oder per SMS möglich, die estnische Verfassung garantiert den Bürgern den Zugang zum Internet. Die positiven Auswirkungen dieser konsequenten Digitalisierung sind offensichtlich: Gemessen an der Einwohnerzahl bringt der kleine baltische Staat die meisten Startups hervor. 2007 noch mit am härtesten von der Finanzkrise getroffen, glänzt Estland heute mit der europaweit geringsten Staatsverschuldung – auch dank seines guten Rufes als Innovationsstandort.

Ohne den Mittelstand geht es nicht

Die deutsche Wirtschaft hat noch viel Arbeit vor sich. Doch die Digitalisierung sollte nicht als Problem, sondern als Chance begriffen werden. Dafür lieferte die Jahrestagung des BVMW genügend Inspiration, Ziele und Visionen. Deutlich wurde dabei, dass die Notwendigkeit zur digitalen Transformation längst nicht nur die großen Konzerne betrifft. Als Rückgrat und Motor der deutschen Wirtschaft muss sich auch der Mittelstand auf den Weg in die digitale Zukunft machen.

Von links nach rechts: Philipp Depiereux (Gründer und Geschäftsführer von etventure), Niels Genzmer (Leiter Online-Kommunikation BVMW) und Arne Henne (SMB Program Manager bei Facebook)

 

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