Sind die „Besten aus Baden-Württemberg“ auch die Besten bei der Digitalisierung?

08. Mai 2017

2.734 Weltmarktführer gibt es weltweit, allein 1.307 – und damit fast die Hälfte – kommen aus Deutschland. Umgeben von einer beeindruckenden Kulisse mit großer Parkanlage und See versammelten sich am vergangenen Freitag zahlreiche der „Besten aus Baden-Württemberg“ bei der gleichnamigen Veranstaltung im Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg. Bei dem Event, veranstaltet von der Akademie Deutscher Weltmarktführer und dem Senat der Wirtschaft, kamen CEOs großer Konzerne und „Hidden Champions“ aus Baden-Württemberg zusammen und zeigten auf, wie ihre Unternehmen den Sprung an die Weltspitze geschafft haben  – und wie sie sich dort halten (wollen). Denn die Zukunft heißt: Digitale Transformation. Was der Mittelstand tun muss, um diese Herausforderung erfolgreich zu meistern, stellte Philipp Depiereux, etventure Gründer und Geschäftsführer, in seinem Vortrag dar.

Baden-Württemberg als „Land der Weltmarktführer“

Die Besten aus Baden-WürttembergIn Baden-Württemberg sind es mehr als 300 Unternehmen, die in ihrer Branche zu den weltweit Besten gehören. Was auffiel: Obwohl schon der Veranstaltungstitel vor Eigenlob strotzte, gaben sich die Unternehmenslenker im Hinblick auf ihre digitalen Fortschritte bemerkenswert demütig. Den „Wow-Effekt“ und bei manchem wohl auch „blankes Entsetzen“ – wie das Magazin „Die News“ schreibt – erzeugte Philipp Depiereux mit seinem Vortrag „Digitize or Die!“.

Denn während Porsche-CEO Dr. Oliver Blume noch behauptete: „Für die Digitalisierung haben wir noch 10 Jahre“, machte Philipp Depiereux klar, dass diese Zeitrechnung niemals aufgehen wird. Schon jetzt steht die Automobilbranche massiv unter dem Druck der digitalen Konkurrenz aus dem Silicon Valley – allen voran Google und Tesla. Wenn die deutschen Autobauer jetzt nicht den digitalen Wandel einläuten, wird es für sie bald keinen Markt mehr zu verteidigen geben.

Neben Depiereux und Blume standen zahlreiche Vertreter der baden-württembergischen Wirtschaftselite auf der Bühne, darunter Dr. Gerald Karch, CEO von Putzmeister, Robert Friedmann von der Würth-Gruppe oder Prof. Markus Glück von der Schunk GmbH. Mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann war auch die Politik prominent vertreten.

Der Turbo-Innovationsprozess im Kleinen

Die Besten aus Baden-Württemberg- Philipp DepiereuxWie  der digitale Wandel letztlich gelingt, zeigte Depiereux anschaulich auf: In einem „geschützten Raum“, außerhalb der Kernorganisation, können digitale Geschäftsmodelle unabhängig von bestehenden Prozessen, Hierarchien und internen Widerständen geschaffen werden. Und zwar nicht perfekte Produkte, sondern Prototypen, sogenannte Minimum Viable Products, die mit radikaler Nutzerorientierung entwickelt und direkt am Markt getestet werden können. Ein Turbo-Innovationsprozess im Kleinen sozusagen. Nur das, was beim Kunden funktioniert, wird dann tatsächlich bis zur Perfektion weiterentwickelt.

Dass das Prinzip funktioniert, bestätigte auch Gerald Karch, Geschäftsführer des etventure-Kunden Putzmeister, und zeigte zugleich auf, welche Fehler der Maschinenbauer bei der digitalen Transformation gemacht hat. So hatte Putzmeister seine Digital-Einheit am Hauptstandort Aichtal aufgebaut. Doch, so Karch, „Wände schützen die Mitarbeiter im geschützten Raum nicht.“ Und so zieht die Digital-Einheit nun nach Stuttgart, um die dort erfolgreich entwickelten digitalen Geschäftsmodelle anschließend wieder zurück in die Kernorganisation zu bringen. Karch selbst will nun auch stärker zum Treiber der Digitalisierung bei Putzmeister werden und näher an den Entwicklungen sein, und bestätigt damit: Digitalisierung ist Management-Aufgabe.

Digitalisierung hat auch ihre Grenzen

Dass die Digitalisierung aber auch Grenzen hat, wurde beim Thema Erziehung deutlich. Laut Porsche-Chef Blume würden in fünf Jahren nur 15 Prozent der drei- bis fünfjährigen Kinder ihre Schuhe binden, aber 30 Prozent Devices wie iPad und iPhone bedienen können. Für Depiereux ein absolutes No-Go, der daraufhin erklärte alles dafür tun zu wollen, damit ein solches Szenario nicht eintreten wird. Eine Aussage, die vom Publikum mit spontanem Applaus quittiert wurde. Die Welt wird immer digitaler, das ist Fakt. Unternehmen können und dürfen sich dem digitalen Wandel nicht verwehren, und auch die digitale Ausbildung wird zu einem elementaren Bestandteil des Bildungssystems werden. Wie man jedoch im Privatleben und vor allem in der Erziehung seiner Kinder damit umgeht, ist eine andere Sache. Und nicht alles was digital ist, ist automatisch gut.

Was die Veranstaltung gezeigt hat: Die Besten aus Baden-Württemberg haben noch einiges an Arbeit vor sich, um auch die Besten bei der Digitalisierung zu werden. Das Ländle bietet dafür enormes Potenzial!

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